Wie's mich fertig macht, dass ich seit 'ner Woche nicht mehr richtig pennen kann. Totmüde bin ich, und wälze mich ewig durch mein Bett, bis ich endlich mal weggepennt bin. Meistens bis halb zwei. Nur wache ich nach gut einer Stunde wieder auf und kämpfe erneut mindestens eine halbe Stunde, um an die Erholung zu gelangen, von der ich eigentlich jede Nacht 8 Stunden brauch' um mich fit zu fühlen. Der Weg aus meinen Laken ins Badezimmer wird jeden Morgen qualvoller und mit der Ansammlung meiner morgendlichen Spiegelbilder kann man unsere WG bald "Zombieland" nennen. So'n Weisheitszahn, der beim Kauen bis ins Ohr drückt, ist im Übrigen auch 'ne feine Sache. Gestern dacht' ich noch, dass ich das dingend in Angriff nehmen muss und nächste Woche mal bei den Zahnärzten zwei Etagen unter meinem Büro anfrage, ob man das nicht mal fix nach Feierabend... meine Zahnärztin macht es halt nicht, sondern hat mich ja schon vor Ewigkeiten wegen dem anderen Weisheitszahn und seiner derben Wurzeln an einen Kieferchirurgen überwiesen, bei dem ich halt nie war. Heute, jedoch... hab' ich schon wieder Angst. Aber mit dem Druck im linken Ohr während ich kräftig zubeiße, kann ich eigentlich auch ganz gut leben. Schlimmer find ich da eher den Allergiejuckreiz, den ich in den Ohren hab'. Und den Druck über'm Gaumen, der trotz ewiglichem Geschnaube nicht verschwinden will.
Der ein oder andere ahnt's vielleicht. Mit dem obersten Teil meines Körpers fühle ich mich seit mehreren Tagen nicht so richtig wohl. Aber genug gejammert. Schließlich bahnt sich vermutlich auch gerade eine Erkältung an und mit der kann ich dann nächste Woche hier so tun, als würde ich sterben.^^
Freitagabend hab' ich 'n Date mit der Strickliesel. Es gibt so viel zu erzählen. Weil die Strickliesel auf Diät ist, kochen wir nichts, sondern schnibbeln einen verdammt geilen Salat und verzichten auf Wein. Wir hocken bei Wasser und Cola auf der Couch. Ich erzähle ihr von meinen Geburtstagsfeierplänen und der Problematik mit der Bierzeltgarnitur, die ich gern dafür ausleihen würde weil es sonst jetzt nicht so viel Sinn ergeben würde, sich Menschen einzuladen, die man gern hat. "Ich will dafür einfach nicht 50 Euro latzen. Die kann man doch viel besser in Bier und Tequila investieren."
Ich erzähle ihr, dass der türkische Freund von Gina mir das quasi zum Geburtstag schenken möchte, ich aber weder Almosen, noch ihn dann dort haben will. Meine Hoffnung war ja auch, dass Gina an jenem Wochenende beim Hurricane arbeitet, sonst hätte ich ihr gar nicht erzählt, dass ich gern feiern würde. Aber dummerweise möchte ihr türkischer Freund nicht, dass sie dort Geld verdient und so muss ich jetzt -des Friedens wegen- mit einer dummigen, dezent gestörten Blondine und ihrem Geschichtenerzähler-Freund auf meiner Party leben. Gut, es gibt wirklich Schlimmeres. Man kann ja nicht sagen, dass die beiden unnett sind. Ehrlich nicht. Die sind sogar richtig lieb, aber die Zwei haben irgendwie wirklich einen weg.
Die Strickliesel hat eine zündende Idee, die mir wirklich sehr, sehr gut gefällt. Und damit ist sie die erste Person, der ich von dieser Problematik erzähle, die mir etwas vorschlägt, womit ich äußerst gut leben kann. Nur, dass sie ihren Papa da mit reinziehen will, gefällt mir weniger. Dabei würd' ich mich fühlen wie'n Kind. Also frag' ich Desipio...
Nachdem das Thema abgehakt ist, lästert die Strickliesel über ihre Kunden und ihre Chefin. Ich hingegen muss erzählen, was bei mir die ganze Woche über so passiert ist. Ich rede wirr und schnell. Das kennt sie von mir nicht. Meine Gedanken springen im Kopf durch die Gegend, ich teil' immer nur die Hälfte der Infos mit weil ich beim Reden schon wieder hundert Meter weiter gedacht hab' und sie kann mir so gar nicht folgen, was im Übrigen auch sehr ungewöhnlich ist. "Gott sei Dank bist du nicht aufgeregt, mh?!" lacht sie.
"Ich wollt' halt abgeklärt, cool und hart rüberkommen- nur deswegen hab' ich das gesagt."
"Das ist wie 'Rauchen steigert das Ansehen in der Clique'. Eben nur für Erwachsene." ich muss lachen, obwohl sie Recht hat. "Du kannst auch manchmal echt ein Arschloch sein, Inga. Das hätte ich dir nicht zugetraut."
"Ich find', ich lass' mir da jetzt mal keine Scheiße unter'n Rock schieben."
Sie interpretiert und interpretiert und ich bitte sie das nicht, oder zumindest nicht laut zu tun. Das verwirrt mich und meine verschwurbelten Gedanken nur noch mehr.
Scrabble-Hilfe bekomm' ich trotz Bitte nicht. Vielleicht sollte man aber auch nicht in Zweideutigkeiten bitten- man kann ja auch mal missverstanden werden. Ich hatte da echt schon mal mehr drauf- mit Buchstaben und so. Nicht nur beim Scrabbeln, sondern auch in diesem Blog. Und anderswo. Aber Mademoiselle Gris musst' ja alles löschen...
Die Strickliesel schnarcht zuerst. Als die große Decke, unter der wir liegen, eine leere Colaflasche zu Fall bringt, während sie auf den Boden rutscht, stehen wir beide senkrecht auf der Couch. Es ist halb vier. "Ich bleib' hier, ja?!" - "Ich sag' noch schnell meinem Freund Bescheid, damit er sich nicht vor'n Fernseher fläzt, wenn er nach Hause kommt und dich besuffski volltextet."
Wir fangen schon wieder an zu reden. "Ich geh' nur schnell dillern, dann geh' ich pennen." Denkste, Puppe. Es vergeht noch eine Stunde, die Vögel zwitschern bereits und es wird hell ehe ich sage "Du kennst das Spiel. Ich mach' morgen früh 'nen polnischen Abgang, wenn ihr noch pennt." Ich hör' ihren Freund nach Hause kommen, ich hör' die Zwei noch eine ganze Weile reden... es ist bereits richtig hell und es sind wieder nur zwei Stunden Schlaf, die mir zu Gute kommen, ehe es nicht mehr geht. Dabei bin ich tierisch müde und habe Kopfschmerzen. Ich ahne bereits, dass mein seit Tagen anhaltendes Bedürfnis, Samstagabend das Tanzbein zu schwingen mit einer dvd und einer Tasse Tee in meinem Bett endet.
Es gibt so irre viel zu erledigen- gerade bevor die schöne große Blonde am Donnerstagabend hier aufschlägt. Ich möchte, dass es sauber ist und sie sich bei uns wohlfühlt, wenn sie schon mit meinen Mitbewohnern nicht viel anfangen können wird, was ich bereits ahne. Diese Frau ist ein Feingeist. Das wird ihr hier vielleicht ein bisschen oberflächlich und lächerlich erscheinen. Hinzu kommt diese akute Unordnung, über die wir nicht Herr der Lage werden, weil sie uns alle auch nicht so wirklich stört. Da kann's hier ausnahmsweise wenigstens mal hygienisch zugehen. Und eigentlich müsst' ich auch mal ziemlich dringend meinen Kleiderschrank ausmisten, da er wirklich platzt und ich diverse Jacken und Trenchcoats bereits an meinem alten Bettgestell aufgehängt hab', welches in der Ecke steht und von mir irgendwann wieder aufgebaut und benutzt werden soll. Und überhaupt... als ich letztes Wochenende nach einem Foto von mir suchte, hab' ich diverse Notizbücher mit Geschreibsel von mir gefunden. Vielleicht müsste da auch mal sortiert werden, was alles weg kann. Oder ich telefonier' einfach mal mit Muddi, die schon wieder "Du fehlst mir so"-sms schickt.
Warum sind nicht einfach dreißig Grad im Schatten? Dann könnt' ich mich vor allem drücken und mich im Stadtpark von der Sonne küssen lassen. Nein, es muss ja regnen und ungemütlich sein.
Viele Zeilen um nichts.
