szmmctag

  • title-16054733

    Wie's mich fertig macht, dass ich seit 'ner Woche nicht mehr richtig pennen kann. Totmüde bin ich, und wälze mich ewig durch mein Bett, bis ich endlich mal weggepennt bin. Meistens bis halb zwei. Nur wache ich nach gut einer Stunde wieder auf und kämpfe erneut mindestens eine halbe Stunde, um an die Erholung zu gelangen, von der ich eigentlich jede Nacht 8 Stunden brauch' um mich fit zu fühlen. Der Weg aus meinen Laken ins Badezimmer wird jeden Morgen qualvoller und mit der Ansammlung meiner morgendlichen Spiegelbilder kann man unsere WG bald "Zombieland" nennen. So'n Weisheitszahn, der beim Kauen bis ins Ohr drückt, ist im Übrigen auch 'ne feine Sache. Gestern dacht' ich noch, dass ich das dingend in Angriff nehmen muss und nächste Woche mal bei den Zahnärzten zwei Etagen unter meinem Büro anfrage, ob man das nicht mal fix nach Feierabend... meine Zahnärztin macht es halt nicht, sondern hat mich ja schon vor Ewigkeiten wegen dem anderen Weisheitszahn und seiner derben Wurzeln an einen Kieferchirurgen überwiesen, bei dem ich halt nie war. Heute, jedoch... hab' ich schon wieder Angst. Aber mit dem Druck im linken Ohr während ich kräftig zubeiße, kann ich eigentlich auch ganz gut leben. Schlimmer find ich da eher den Allergiejuckreiz, den ich in den Ohren hab'. Und den Druck über'm Gaumen, der trotz ewiglichem Geschnaube nicht verschwinden will.

    Der ein oder andere ahnt's vielleicht. Mit dem obersten Teil meines Körpers fühle ich mich seit mehreren Tagen nicht so richtig wohl. Aber genug gejammert. Schließlich bahnt sich vermutlich auch gerade eine Erkältung an und mit der kann ich dann nächste Woche hier so tun, als würde ich sterben.^^

    Freitagabend hab' ich 'n Date mit der Strickliesel. Es gibt so viel zu erzählen. Weil die Strickliesel auf Diät ist, kochen wir nichts, sondern schnibbeln einen verdammt geilen Salat und verzichten auf Wein. Wir hocken bei Wasser und Cola auf der Couch. Ich erzähle ihr von meinen Geburtstagsfeierplänen und der Problematik mit der Bierzeltgarnitur, die ich gern dafür ausleihen würde weil es sonst jetzt nicht so viel Sinn ergeben würde, sich Menschen einzuladen, die man gern hat. "Ich will dafür einfach nicht 50 Euro latzen. Die kann man doch viel besser in Bier und Tequila investieren."

    Ich erzähle ihr, dass der türkische Freund von Gina mir das quasi zum Geburtstag schenken möchte, ich aber weder Almosen, noch ihn dann dort haben will. Meine Hoffnung war ja auch, dass Gina an jenem Wochenende beim Hurricane arbeitet, sonst hätte ich ihr gar nicht erzählt, dass ich gern feiern würde. Aber dummerweise möchte ihr türkischer Freund nicht, dass sie dort Geld verdient und so muss ich jetzt -des Friedens wegen- mit einer dummigen, dezent gestörten Blondine und ihrem Geschichtenerzähler-Freund auf meiner Party leben. Gut, es gibt wirklich Schlimmeres. Man kann ja nicht sagen, dass die beiden unnett sind. Ehrlich nicht. Die sind sogar richtig lieb, aber die Zwei haben irgendwie wirklich einen weg.

    Die Strickliesel hat eine zündende Idee, die mir wirklich sehr, sehr gut gefällt. Und damit ist sie die erste Person, der ich von dieser Problematik erzähle, die mir etwas vorschlägt, womit ich äußerst gut leben kann. Nur, dass sie ihren Papa da mit reinziehen will, gefällt mir weniger. Dabei würd' ich mich fühlen wie'n Kind. Also frag' ich Desipio...

    Nachdem das Thema abgehakt ist, lästert die Strickliesel über ihre Kunden und ihre Chefin. Ich hingegen muss erzählen, was bei mir die ganze Woche über so passiert ist. Ich rede wirr und schnell. Das kennt sie von mir nicht. Meine Gedanken springen im Kopf durch die Gegend, ich teil' immer nur die Hälfte der Infos mit weil ich beim Reden schon wieder hundert Meter weiter gedacht hab' und sie kann mir so gar nicht folgen, was im Übrigen auch sehr ungewöhnlich ist. "Gott sei Dank bist du nicht aufgeregt, mh?!" lacht sie.

    "Ich wollt' halt abgeklärt, cool und hart rüberkommen- nur deswegen hab' ich das gesagt."

    "Das ist wie 'Rauchen steigert das Ansehen in der Clique'. Eben nur für Erwachsene." ich muss lachen, obwohl sie Recht hat. "Du kannst auch manchmal echt ein Arschloch sein, Inga. Das hätte ich dir nicht zugetraut."

    "Ich find', ich lass' mir da jetzt mal keine Scheiße unter'n Rock schieben."

    Sie interpretiert und interpretiert und ich bitte sie das nicht, oder zumindest nicht laut zu tun. Das verwirrt mich und meine verschwurbelten Gedanken nur noch mehr.

    Scrabble-Hilfe bekomm' ich trotz Bitte nicht. Vielleicht sollte man aber auch nicht in Zweideutigkeiten bitten- man kann ja auch mal missverstanden werden. Ich hatte da echt schon mal mehr drauf- mit Buchstaben und so. Nicht nur beim Scrabbeln, sondern auch in diesem Blog. Und anderswo. Aber Mademoiselle Gris musst' ja alles löschen...

    Die Strickliesel schnarcht zuerst. Als die große Decke, unter der wir liegen, eine leere Colaflasche zu Fall bringt, während sie auf den Boden rutscht, stehen wir beide senkrecht auf der Couch. Es ist halb vier. "Ich bleib' hier, ja?!" - "Ich sag' noch schnell meinem Freund Bescheid, damit er sich nicht vor'n Fernseher fläzt, wenn er nach Hause kommt und dich besuffski volltextet."

    Wir fangen schon wieder an zu reden. "Ich geh' nur schnell dillern, dann geh' ich pennen." Denkste, Puppe. Es vergeht noch eine Stunde, die Vögel zwitschern bereits und es wird hell ehe ich sage "Du kennst das Spiel. Ich mach' morgen früh 'nen polnischen Abgang, wenn ihr noch pennt." Ich hör' ihren Freund nach Hause kommen, ich hör' die Zwei noch eine ganze Weile reden... es ist bereits richtig hell und es sind wieder nur zwei Stunden Schlaf, die mir zu Gute kommen, ehe es nicht mehr geht. Dabei bin ich tierisch müde und habe Kopfschmerzen. Ich ahne bereits, dass mein seit Tagen anhaltendes Bedürfnis, Samstagabend das Tanzbein zu schwingen mit einer dvd und einer Tasse Tee in meinem Bett endet.

    Es gibt so irre viel zu erledigen- gerade bevor die schöne große Blonde am Donnerstagabend hier aufschlägt. Ich möchte, dass es sauber ist und sie sich bei uns wohlfühlt, wenn sie schon mit meinen Mitbewohnern nicht viel anfangen können wird, was ich bereits ahne. Diese Frau ist ein Feingeist. Das wird ihr hier vielleicht ein bisschen oberflächlich und lächerlich erscheinen. Hinzu kommt diese akute Unordnung, über die wir nicht Herr der Lage werden, weil sie uns alle auch nicht so wirklich stört. Da kann's hier ausnahmsweise wenigstens mal hygienisch zugehen. Und eigentlich müsst' ich auch mal ziemlich dringend meinen Kleiderschrank ausmisten, da er wirklich platzt und ich diverse Jacken und Trenchcoats bereits an meinem alten Bettgestell aufgehängt hab', welches in der Ecke steht und von mir irgendwann wieder aufgebaut und benutzt werden soll. Und überhaupt... als ich letztes Wochenende nach einem Foto von mir suchte, hab' ich diverse Notizbücher mit Geschreibsel von mir gefunden. Vielleicht müsste da auch mal sortiert werden, was alles weg kann. Oder ich telefonier' einfach mal mit Muddi, die schon wieder "Du fehlst mir so"-sms schickt.

    Warum sind nicht einfach dreißig Grad im Schatten? Dann könnt' ich mich vor allem drücken und mich im Stadtpark von der Sonne küssen lassen. Nein, es muss ja regnen und ungemütlich sein.

    Viele Zeilen um nichts.

  • title-16046844

    Es reicht! Nach zehn Jahren in dieser Stadt, mit stetig nassen Socken und diversen zerstörten Regenschirmen, bedingt durch ständigen Regen und häufigen Sturm, investiere ich endlich in eine anständige Regenjacke und Gummistiefel! denk' ich, als gerade die Wagenladung T-Shirts geliefert wird, von der ich letzte Wochen noch der Meinung war, sie auch wirklich zu brauchen.

    Doof, dass ich zu faul bin, alle Shirts wieder zur Post zu schleppen und an ihren Absender zurückzuschicken. Noch doofer ist aber, dass ich jetzt Sommerklamotten hab', aber ein Sommer nicht mal ansatzweise in Sicht is'.

    Ich schwadronier' über's Wetter… :roll: aber passiert ja auch manchmal nichts, außer Weisheitszahndruck im Unterkiefer und die Befürchtung irgendwann mit 'ner geschwollenen Fresse aufzuwachen weil ich einfach mal seit einigen Jahren Angst vor'm Kieferchirurgen hab'. Aber über mein bigface kann ich ja noch schreiben, wenn's da is'.

    Ich find ja, dass das jetzt 'ne prima Überleitung zum geilen Gast war.

    Nachdem weder er, noch ich weiterhin Bock auf Geheimniskrämereien hatten, haben wir beschlossen, die Katze aus'm Sack zu lassen. Da der andere Mitbewohner nicht das Geringste geahnt hat weil er –im Gegensatz zum Teenager- mit seinem eigenen Leben beschäftigt war, fanden wir seine Reaktion besonders spannend. UND ich hab' sie nicht gesehen. Weil ich ein netter Mensch bin und so tu', als hätte ich Verständnis für tiefe Männerfreundschaften- und weil ich die Vorstellung auch lustig fand, dass dem anderen Mitbewohner vielleicht 'ne Hantel auf den Fuß fällt, wenn er's im Fitnessstudio erfährt.

    Ich warte darauf, dass der andere Mitbewohner irgendwas zu mir sagt oder wenigstens hämisch grinst, als ich ihm die Wohnungstür öffne, weil er schon vor Monaten prophezeit hat, dass das passieren würde, was passiert ist. Aber er bedankt sich nur und klüngelt im Anschluss mit'm Teenager.

    Später erfahr' ich, dass der andere Mitbewohner locker zehn Minuten gebraucht hat um die Info zu verarbeiten und bin mir im Klaren darüber, dass der geile Gast und ich heute Abend interessanter sein werden, als 'Breaking Bad'.

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    "Ach… du bist schon im Schlafanzug! Ich wollte dich gerade fragen, ob du noch mit zum Supermarkt an der Ecke kommst."

    "Nee, heute ist doch Serienabend. Der tollste Tag der Woche. Der, an dem ich abends Pizza statt 'nichts' esse und mir Apfelsaft, statt Wasser gönne." freu' ich mich noch…

    "Ja, sieht man!" sagt der Teenager mit Blick auf meinen Bauch.

    "Dabei hab' ich noch gar nicht gegessen."

    Das ist der Moment, in dem mir klar wird, dass ich gar nicht mal so stolz drauf sein sollte, dass immerhin die zwei Urlaubskilos wieder verschwunden sind und ich eventuell doch dem Angebot folgen sollte, mit den anderen zwei Herren ins Fitnessstudio zu gehen.

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    Wie verwerflich ist es eigentlich –auf einer Skala von eins bis zehn- die angebotene Hilfe eines Mannes anzunehmen, der einem so'n bisschen hinterherdackelt, wenn man so gar nichts von diesem will, außer eben jene Hilfe? Ich tippe auf 8-9 Punkte Abzug vom Karmakonto, wenn ich SO egoistisch bin. Macht aber bestimmt noch kein Minus, wenn ich an Weihnachten wirklich einen Platz zum Ausschank in 'ner Suppenküche für Obdachlose bekomm'...

  • title-16037829

    Es ist so unglaublich würdelos, einem Bus hinterherzulaufen. Es ist noch viel würdeloser, einen Blazer und hohe Schuhe zu tragen, während man hinter einem Bus her rennt, während der Busfahrer echt lieber losfährt.

    Und dafür hab' ich mich beeilt, ey. Ich sitze trotzdem wenig später vor einem überdimensionalen Fernseher und kann darin sehen, wie wir uns zwei Meter voneinander entfernt auf der Couch befinden. Nach 'ner halben Stunde ist auch der Gesprächsstoff aufgebraucht. "Dann sind wir also wieder an diesem Punkt angelangt?!" Schön, dass nicht nur mir das unangenehm ist. Ich find' nur noch unangenehmer, dass sich da gerade nichts zwischen uns tut. Ich hab' mal wieder innere Beklemmungen, oder so. "Was is'n heute los mit dir? Bist doch sonst nicht so." Ich kann irgendwie nicht aus meiner Haut...

    Also… wenn ich's mal nicht drauf hab' das kleine, wilde Luder zu spielen… :roll:

    'Sons of Anarchy' ist ganz schön geil. Und lässt mich vergessen, dass ich gerade nicht warm mit mir werde. Am Ende ist nicht klar, ob ich sechs oder gar acht Stunden Anlaufzeit gebraucht hab', aber ich find' das auch gar nicht so wichtig, wenn ich mir das Ergebnis von akutem Schlafmangel und Muskelkater anseh'. Außerdem muss ich an's "Du bist dran"-Spiel denken und so'n bisschen grinsen.

    "Ich hab' mir extra neue Unterwäsche gekauft und du hast sie gar nicht gesehen!"

    "Macht dich das an, wie mir die Augen reibe?"

    "Willst du uns nicht was kochen?" – "Kochen ist nicht mein Ding." – "Ich hab' einmal was von dir bei euch gegessen. Sah aus wie Erbrochenes, aber schmeckte ganz okay." Was für’n Charmebolzen. <3 denk' ich. "Ich find’ dich SO scheiße!"

    Nicht scheiße, hingegen find' ich, dass mich das Wetter nicht dazu nötigt, vor Nachmittag das Bett des geilen Gastes zu verlassen. "Du, ich werd' dann mal langsam los…"

    Eierpfannkuchen zum Frühstück. 'Sons of Anarchy'. Rückenkribbeln. "Ich fühl' mich beobachtet. Kannst du das mal lassen?" – "Ich find' dich SO scheiße!" – "Ich glaub' dir kein Wort."

    In Unterwäsche auf der Couch rumhängen. TV schauen und dabei das kleine Löffelchen sein. "Du, ich glaube, ich muss langsam mal nach Hause fahren." – "Sagtest du schon." und schon knutsche ich wieder rum.

    "Schöner BH! Ist der neu?" – "Ich find' dich SO scheiße!"

    "Was lachst'n mich jetzt aus?"- "Ich lach' dich nicht aus. Ich find' dich nur witzig." – "Ich find' dich scheiße!"

    Inga gefällt das. Das Gesamtpaket. Die Oberarme am meisten. Ich nehme einfach an, dass er meine spezielle Art Nettigkeiten auszudrücken, wenn ich verlegen bin, schon verstehen wird.

    "Ich glaub', ich fahr' jetzt mal nach Hause." – "DAS hab' ich heute ja noch gar nicht von dir gehört." zieht er mich an sich und so liege ich da, starre diesen äußerst sympathischen Bauchnabel an und höre seinem Bauch beim Gluckern zu, als würde er mir eine tolle Anekdote erzählen.

    Zuhause werd' ich offensichtlich vermisst. Der Teenager will wissen, wo ich bin. Natürlich bei der Strickliesel. Als der Teenager ganz frei raus – ohne jeden Zusammenhang- fragt, was mit dem geilen Gast ist, ist klar, dass der nicht nur ahnt, was Phase ist, sondern höchstwahrscheinlich voll im Bilde ist. Ich geh' einfach nicht drauf ein…

    "Vielleicht solltest du deinen Alibis auch einfach mal sagen, dass sie deine Alibis sind."

    "Vielleicht fällt's auch einfach mal ein bisschen auf, wenn ich zwei Nächte hintereinander bei der Strickliesel penn' und zu allem Überfluss gestern geschminkt und mit Pumps das Haus verließ, um mich dann 24 Stunden nicht blicken zu lassen… Ich hau' jetzt ab!"

    "Ich komm mit."

    Der geile Gast will irgendwas vom anderen Mitbewohner, der gerade auf'm Heimweg aus Amsterdam ist. "Dann fahren wir wohl jetzt zusammen." – "Soll ich unten vor der Tür warten? Das ist sonst so offensichtlich."

    "Ich find' dich SO scheiße!" – "Sag das nicht immer, sonst glaub' ich dir das irgendwann."

    Langsam wird diese Geheimniskrämerei so richtig albern. Wir sind doch schließlich erwachsen.

    "Ich kann das eh nicht mehr lange vor deinem anderen Mitbewohner verschweigen. Bei keinem hab' ich da ein schlechtes Gewissen, aber beim besten Freund macht man sowas einfach nicht."

    Mir geht's auch auf'n Sack ständig aufpassen zu müssen, was ich sage. Aber mich grault's eben auch davor, dass die beiden sich vielleicht über mich unterhalten könnten. Und noch viel ätzender fände ich bohrende Fragereien darüber wie's läuft und so weiter. Ich mein ja nur, dass das zwischen uns nichts ist, was im realen Leben erwähnt werden müsste. Ich genieß' die Zeit mit dem geilen Gast, keine Frage aber wir haben eben keine Zukunft weil wir diese nicht wollen und selbst, wenn wir sie wollten, es ja noch nicht mal schaffen, uns anständig zu unterhalten, was wohl so ziemlich alles sagt. Ich finde es okay, dass lediglich unsere mittleren Körperregionen kompatibel miteinander sind. Aber ich finde eben auch, dass das unser Ding ist, über welches ich nicht ausgefragt werden möchte. Schlichtweg, weil unter'm Strich nichts anderes bleibt, als die aktuelle Situation dieser Interessensgemeinschaft hinzunehmen.

    Dass wir zusammen in die WG kommen, merkt niemand. Liegt vermutlich an unserem Schweigen. Fünf Minuten später kommt der andere Mitbewohner aus Amsterdam nach Hause, zeigt Fotos und… whatever.

    Der geile Gast verabschiedet sich im Vorbeigehen ebenso von mir, wie der andere Mitbewohner, welcher noch zu seiner Else will. Könnte mich fragen, ob mir das was sagen soll. Ich frag' mich allerdings, weshalb ich bei diesem akuten Schlafdefizit nicht einpennen kann.

  • title-16022993

    Auf die Einweihungsfeier durfte man eine Begleitung mitnehmen. Ich überlegte noch, den geilen Gast zu fragen, aber dachte mir dann, dass er das vielleicht missverstehen könnte, wenn er zu 'ner Veranstaltung mitgeschliffen wird, auf der sich hauptsächlich Pärchen tummeln. Also mach' ich mir den Teenager klar, nachdem wir über übertriebenen Alkoholkonsum und sein Benehmen außerhalb unserer WG gesprochen haben.

    Drei beschissene Stunden steh' ich in der Küche und schnibbel' den ultrakrassenmegaspecial Nudelsalat um den Aufwand zu verfluchen, den Serano-Schinken halt macht, wenn er so schön am Messer kleben bleibt und dann sieht der Salat in der Schüssel viel zu mickrig aus. Ich hab ihn totgerührt. Du hohles Nüsschen! denk' ich mir. Machst ja auch zum ersten Mal, mh?!

    Die Stricklieselmutter begrüßt mich überschwänglich. "Ich hab' ja schon so viel von dir gehört. Du bist also die Inga." Der Stricklieselvater ist wortkarg, wie immer. "Ja, muss ja. Und selbst?" Das klingt vielleicht unsympathisch, aber das ist er nicht. Er ist so ein Mensch, vor dem man beim ersten Anblick schon einen mörderischen Respekt bekommt. Er spricht halt einfach nur nicht viel. Der Stricklieselbruder ist seinem Vater sehr ähnlich, wird sich später aber noch zu meiner allerliebstem Lästerschwester mausern. Mir wird nach wenigen Minuten bewusst, dass der Teenager sich gänzlich deplatziert fühlt. Ungefähr so lange, bis er beginnt Kurze zu verteilen und den dort anwesenden Eltern erzählt, wie meine Mutter in unserer WG-Küche saß und mit uns gekifft hat weil sie das mit ihren 60 Jahren eben auch mal probieren wollte.

    Alle packen dicke Geschenke aus. Ich schäm' mich. Hab ich doch nur das Bild mitgebracht, was die Zwei von jedem ihrer Gäste haben wollten und einen popeligen Korkenzieher weil wir die Weinflaschen immer nicht aufgekriegt haben, wenn ich dort war. "Du hast hier schon auf 'ner Cola-Kiste gesessen, als die Wohnung noch verkommen war und genug geackert." sagt der Stricklieselvater zu mir. "Das ist wohl Geschenk genug." Ich schäm' mich trotzdem.

    Wenigstens mein Nudelsalat schlägt ein, wie 'ne Bombe, nur bei der Menge hab' ich mich absolut verkalkuliert. Er reicht nicht ansatzweise um alle hungrigen Mäuler zu stopfen. Dafür krieg' ich Rezeptanfragen. Da ich den Salat kenn', halt' ich mich lieber an all die Kuchen, die rumstehen und klammer' mich an meinem Cola-Glas fest.

    Der Stricklieselfreund ist äußerst dankbar, als er mich zwischendurch beim Einsammeln des Mülls und beim Spülen einiger Gläser erwischt. Der Teenager wird immer redseliger und man hat das Gefühl, dass er sich mit zunehmendem Pegel immer besser mit sich selbst unterhält. Als er Bier verkippt, haben wir einen Disput. Ich weiß halt, was deren Fußboden gekostet hat. Seine Rache für unsere Diskrepanz ist seine Erzählung darüber, wie unfassbar viel die graue Maus essen kann. "Und dann hat die nur so'n kleines Bäuchlein. Guckt's euch an!" und piekt mir schon wieder mit'm Finger in die weichste Stelle meines Körpers. "Wir nennen sie ja 'Fressmaschine'." Okay, das war's. Den nehm' ich niewieder irgendwo mit hin. denk' ich. Die Inga's-Mudder-hat-mit-uns-'nen-Joint-geraucht-Geschichte hat vor'm Strickliesel-Polizisten-Vater schon den Rahmen gesprengt, ey.

    Ich mein', ich hab den Teenager wirklich lieb und so, aber manchmal ist der schlimmer, als ich.

    Die Strickliesel drückt mir 'nen Cocktail in die Hand. "Du brauchst Alkohol, mein Herz!" Dabei wollt' ich doch nichts trinken. Kurz darauf drückt mir die Strickklieselmutter kichernd ein Sektglas in die Hand. "Wir müssen mal 'nen Mädelsabend machen!"

    Die Gäste mit Kindern verabschieden sich, aber bei denen hab' ich mich auch nicht sonderlich wohlgefühlt. Mich interessieren die Schlafenzeiten und Stuhlgänge fremder Kinder auch einfach mal nicht so sehr, wie die lustigen Geschichten der Stricklieselmutter. Der Stricklieselbruder und ich hocken am Esstisch um uns über die 'weniger hellen Kerzen auf der Torte' auszutauschen und haben dabei echt Spaß. "Sag' mal, was hatte der Dingens da eigentlich für'n Shirt an? Ist der rechts, oder so?"

    Der Teenager ist längst verschwunden- hatte noch was vor. Dabei ging es eigentlich darum, dass ich nachts nicht allein nach Hause fahren muss weil die Verbindung zu unchristlicheren Zeiten eben auch echt für'n Arsch ist.

    "Das war dein Freund, oder?" Ich will meinen schwarzen Bacardi-Cola ins Glas prusten. "Aber er hat doch gesagt, dass ihr nebeneinander schlaft und zusammen duschen geht." Der Teenager ist so'n Spinner, ey. Der kann doch nicht so ironisch werden bei Menschen, die offensichtlich ein bisschen einfacher gestrickt sind. "Unsere Zimmer liegen nebeneinander und wir hören uns gegenseitig schnarchen, ja- deswegen schlafen wir nebeneinander. Aber zusammen duschen gehen wir in seinen Träumen, wenn er meint man müsse meinen Busen auf Brustkrebs untersuchen." Das haben die boys mir im Scherz ja wirklich mal vorgeschlagen... Jedenfalls hab' ich mich umsonst gesorgt. Alle fanden den Teenager äußerst sympahtisch, wie sich im harten Kern rausstellt.

    Es lichtet sich und am Ende sind wir zu viert. "Ich wusste, dass du hier das Licht ausmachst." sagt die Strickliesel zu mir. "Hab' halt ordentlich Sitzfleisch!" Der andere letzte Gast ist mir unsympahtisch. Der sabbelt eine gequollene Scheiße sondergleichen. Er ist beleidigend und dabei auch noch extrem einfältig. Echt nicht mein Stil.

    Der Teenager ruft an und klingt äußerst paranoid. "Ich hab' mir die 'Diesdas' noch eingeladen." Die Diesdas ist auch dumm, wie Schifferscheiße und erklärt mir die Welt immer mit den Worten "dies das" wenn sie das Niveau ihrer Sätze nicht steigern kann. Da ich mir ihren Namen nie merken konnte- ist ja auch schwierig bei all den Weibern vom Teenager- heißt sie bei uns nur noch 'Diesdas'. Jedenfalls leidet der Teenager unter Paranoia. "Die Leute glotzen mich übertrieben an und an mir fahren Autos viermal vorbei- ich achte auf die Kennzeichen. Hier ist irgendwas komisch. Inga, ich hab' Angst."

    Paranoid wird der Teenager eigentlich nur bei akutem Schlafmangel. Und obwohl ich ihn und diesen Anruf nicht ernst nehmen kann, mach' ich mir Sorgen. Jetzt nicht, wie er sagt, dass er verfolgt wird, sondern um seinen geistigen Zustand.

    Die Strickliesel und ich unterhalten uns einfach nicht mehr mit dem Arschlochgast, sondern machen es uns unter einer großen Decke auf der Couch gemütlich. Wir pennen weg. Is ja auch schon drei.

    Als der Pissnelkengast die Biege macht, sind wir wieder hellwach und legen nochmal 'ne Runde nach. Wir müssen erstmal besprechen, was wir den ganzen Abend nicht bekakeln konnten. "Du weißt, dass du auch hier übernachten kannst, oder?" Sie hat's mir schon so oft angeboten, weil der Weg nachts einfach mal uncool ist, aber ich hab so gern morgens mein Bett, mein Klo und überhaupt... meinen Vollautomaten um mich. Ich nehm' das Angebot erstmalig an und werde zum Couchgast, obwohl ich mein Übernachtungs-Set mit Zahnbürste & Co. gar nicht dabei hab. "Kann sein, dass ich morgen 'nen Polen mach', wenn ich zu früh wach bin und nicht warten möchte, bis ihr aufsteht." - "Du kennst dich aus, bedien dich einfach überall."

    Die Vögel zwitschern schon, als wir uns halb fünf eine "gute Nacht" wünschen. Fünf Stunden später bin ich schon wieder auf den Beinen. Allein. Ich räum' ein bisschen auf, nasche Kuchen, den ich noch nicht probiert habe und wasch' ab, damit die Zwei nicht mehr so viel zu tun haben, wenn sie aus den Federn schlüpfen.

    Ich sitz' noch nicht mal im Bus, da hat die Strickliesel mir hundert Herzchen-Nachrichten geschickt. Knapp verpasst haben wir uns wohl. Als ich den Teenager schnarchen hör', bin ich erleichtert und schmiede eigene Arbeitsbienchen-Pläne für den heutigen Sonntag weil ich grad Elan hab' und unsere Wohnung ein absolutes Moloch ist. Besonders im Vergleich zur extrem geilen Strickliesel-Butze.

    Schön war's. Besonders mit den Leuten, die ich nur vom hören-sagen kannte.

  • title-16008418

    Morgens um 04:32 Uhr von seinem eigenen lauten Schrei wach werden, weil man träumt, dass man mal wieder vom Teenager erschreckt wird, deutet darauf hin, dass man in der Vergangenheit zu oft vom Teenager erschreckt wurde.

    Ich wünsche mir in jenem Moment, dass er von meinem Schreckschrei ebenfalls aufgewacht ist.

    Ich hielt es eigentlich für 'ne gute Idee, mich mit 'ner Horde wildfremder Menschen, die sich via facebook zusammengetan hat, zu treffen um vor der Freilichtbühne im Stadtpark dem Gesang von Lotto King Karl zu lauschen. Ich war auf so vielen Konzerten, ich muss nicht mehr jedes mitnehmen. Ich hab' ein Foto von ihm und mir- ich bin aus dem Alter raus, in dem man sich wie'n Fan aufführt. Die Gruppe besteht im Endeffekt aus dem Pauli-Fan und mir. Eine riesige Horde, also. Wir sitzen neben dem Presse-Eingang auf unseren Decken, unterhalten uns und lachen viel. Der ist mir sympathisch, der Pauli-Fan. Er hört Zaz auch so gern, wie ich und ist von ihrem neuen Album eben so wenig angetan, wie meinereiner. Ich kenn' niemanden, der Zaz mag... aber gut, ich kenn' auch nicht sehr viele Menschen, die freiwillig Lotto King Karl hören. Wir stoßen ein paar mal an, ich singe mit Lotto im Duett und wir freuen uns tierisch, als es ordentlich schüttet. Gut, es war ja Regen angesagt und Wasser von oben überrascht einen in dieser Stadt sowieso nicht mehr aber ich find's trotzdem ungeil, bis auf die Haut durchnässt zu sein.

    Wir nehmen die Zugaben nicht mehr mit, weil die Öffis im Anschluss dann zu überfüllt sind und weil ich dringend trockene Klamotten brauch', damit ich mir nicht 'ne Erkältung einfang'. Der Pauli-Fan bringt mich zum Bus und wartet bis ich eingestiegen bin. Hätte auch eigentlich zum geilen Gast gehen können, der dort wohnt. Da hätte ich bestimmt 'ne warme Dusche bekommen und Klamotten eh nicht gebraucht.

    Das teil' ich dem geilen Gast aber erst mit, als ich zu Hause bin. "Komm zurück."

    Ich wär' betrunken genug, um das wirklich zu tun. Aber ich liege im Bett, stopf' mich mit Käsespätzle voll und hab irgendwie Bock drauf, beim Aufwachen meine eigenen Sachen um mich zu haben. Und überhaupt... ich bin müde. Der geile Gast hat recht, als er schreibt, dass es in der WG gar nicht geht. Ich sag' nicht nur die dämlichsten Dinge von Welt, wenn ich betrunken bin- ich hab dann auch noch die schlimmsten Ideen!

    Vom Regen werd' ich wach. Mit einem mörderischen Kater. Vom Wecker werd' ich abermals wach. Der Kater ist mörderischer geworden. Dagegen hilft auch ein halber Liter Wasser nicht. Du wirst nicht jünger. denk' ich mir, als ich mich um halb elf noch immer ganz komatös fühl'. Ich seh' mich in meinem Zimmer um und frag' mich, was ich da vergangene Nacht veranstaltet hab'. Ob jemand für mich ins Solarium und einkaufen geht und meine Wäsche wäscht? frag' ich mich bei akuter Bewegungsunlust.

    Oh Gott... und heute Abend wird schon wieder gefeiert. ist mein nächster Gedanke. Es war meine Idee, danach noch über'n Kiez zu ziehen aber ich fühl' mich noch nicht mal in der Lage den Nudelsalat zu machen, den ich der Strickliesel zu ihrer Einweihnungsfeier versprochen hab.

    Erstmal frühstücke ich ekliger- und gleichzeitig auf geilerweise die restlichen Spätzle, die auf meinem Nachttisch stehen bis ich beschließe, dass es alles nicht nützt. Der Tag ist zu voll gepackt, um ihn im Bett zu verpimmeln.

    Und so tipp' ich einen halbwegs betrunkenen Blogeintrag um wenigstens ein bisschen das Gefühl zu haben, heute schon aktiv geworden zu sein. In meinem Bett. Wenn sich die Finger bewegt haben, zieht der Körper bestimmt bald nach.

    Aber jetzt... drängt die Zeit wirklich, wenn ich heute Abend wieder halbwegs wie'n Mensch aussehen will. Wobei ich befürchte, dass ich mich dann noch immer wie'n Zombie fühlen werd'.

  • title-16000057

    "Nur Einer reicht nicht, Inga. Du brauchst mindestens Zwei!"

    "Einen für's Grobe und einen für's Feine?" lach' ich.

    "Nee, jetzt echt... Einer allein reicht nicht. Halt dir ein paar mehr Typen. So hast du Abwechslung und gewöhnst dich nicht an nur diese eine Person."

    Manchmal bin ich nicht sicher, ob die Frau genial oder absolut gestört ist. Vielleicht ist sie genial darin ihre Psyche auszutricksen weil sie etwas gestört ist. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu verklemmt. Oder ich chill' zu gern, um mich für SOWAS, wie mehrere parallel zueinander laufende Männer, zu stressen. Dinge dieser Art plant man doch nicht. Die passieren oder nicht. Und mir jetzt eher nie so.

    Ich stress' mich lieber wegen anderer Sachen.

    Der Feierabend beginnt bei mir erst spät. So gegen zehn. Ich will nur schnell eine rauchen, bevor ich duschen und bubu machen geh', aber irgendwie bleib' ich mal wieder bei Tetris hängen. Der andere Mitbewohner gesellt sich irgendwann zu mir, als er mich bemerkt und die gefürchtete Zeitfalle, welche die versiffte Couch irgendwo bei sich eingebaut haben muss, schlägt mal wieder zu.

    Ich erzähle ihm von meiner Überlegung, meinen Geburtstag zu feiern. Ich finde meine eigenen Geburtstagsfeiern ja immer fast so grässlich, wie all die superduperknallerhaften Silvesterparties, von denen mir noch nicht eine einzige superdupermegaknallerhaft vorkam. Mich stresst die Organisation ja immer so'n bisschen. Wir sprechen alle Pros und Kontras durch und am Ende hab' ich sogar richtig Lust dazu, mich mal wieder zu feiern und feiern zu lassen. Dabei war's ja eigentlich meine Mama, die mich vor Ewigkeiten auf die Welt gepresst hat. Wer feiert Sie an diesem Tag dafür? Niemand!

    Ich find', ich schlaf' jetzt nochmal 'ne Nacht drüber, bevor ich mir ein stressiges Wochenende ans Bein binde, damit die Engsten es schön haben. Wär' ja auch recht peinlich, 'ne facebook-Gruppe zu gründen und sie dann wieder zu löschen weil man nicht in der Lage ist, für ein paar Leute Salate zu schnibbeln oder Bier zu kaufen.

    Ich find' aber schon die Sache mit den Rauchern und Nichtrauchen anstrengend, falls das Wetter scheiße wird...

    Ich wünsch' dem anderen Mitbewohner viel Spaß in Amsterdam, nachdem wir noch ein bisschen gelästert haben und überlege, was ich eigentlich schreiben wollte. Ist mir nicht mehr eingefallen. War mir wohl nicht so wichtig, wie die 27. Jährung meines Schlüpftages.^^

    27, ey... ich war doch gerade erst noch 18!

  • title-15987114

    Der andere Mitbewohner ruft mich extra an, um mir zu erklären, warum ich nicht mit nach Amsterdam fahr'? Was'n mit dem los? Und morgen entschuldigt er sich für die gelegentlichen sexistischen Sprüche, die er so von sich gibt?

    Pah... mir ist jetzt alles egal, weil ich unter der Dusche tanzen kann, wenn ich möchte. Und, wenn ich wert darauf lege auszurutschen um mir mein Steißbein zu brechen. Klingt nicht so berauschend? Aber ich könnte wirklich tanzen, wenn ich wollte. Denn jetzt habe ich Platz. Und Licht. Dafür bin ich dem anderen Mitbewohner dankbarer, als ich wegen der Amsterdam-Sache angepisst oder nachtragend sein könnte.

    In einer rosafarbenen Schlafanzughose im Bett liegen und Flammkuchen futtern während die aktuelle Lieblingsserie läuft, ist geil. Wenn ich Eier hätte, würde ich sie mir dabei kraulen. Wobei ich bezweifle, dass ich mit Klöten in 'ner Bux noch auf Mädchenkram abfahren würde. Aber egal, ich schweife ab. Es ist jedenfalls geil in einer rosafarbenen Schlafanzughose im Bett zu liegen und Flammkuchen zu futtern während man die aktuelle Lieblingsserie ansieht. Weniger geil ist dann allerdings, wenn der Teenger mit seinem Handytelefonat meinen DVB-T-Empfang stört und mir vom geilsten Teil des Abends wieder bloß ein zusätzliches Kilo und fettige Finger bleiben.

    Als ich im Dunklen noch über die drei Paar Schuhe des Teenagers fall', die mitten im Weg zu meinem Zimmer VOR dem Schuhregal stehen, will ich so'n bisschen wütend werden. Ich kann den auch mal dissen. Morgen steh' ich vor ihm auf und besetz' das Badezimmer. Muahahahahaaaaa

    Mir is' ziemlich kalt. Das ist so'n Ding, welches ich -nicht nur aufgrund der Jahreszeit- nicht bemerken sollte. Unsenf, das.

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    Fühl' mich aufgedunsen. Schon seit Tagen. Ich will's auf PMS schieben weil ich mich immer erst auf die Waage trau', wenn das Ergebnis einigermaßen zufriedenstellend sein könnte und das kann es momentan einfach nicht sein. PMS zählt als Ausrede aber nicht mehr, seit mich die Lieblingskollegin darüber aufgeklärt hat, dass ich's nicht haben kann. Mir die Begründung für meine Launenhaftigkeit zu nehmen, ist alles andere als nett. Mir die Begründung für spontane Fressattacken bei akutem Gefühl von Mopsigkeit zu nehmen ist dabei absolut unnötig.

    Gegen das Gefühl, sich mopsig zu fühlen, hilft nur Sport. Also lauf' ich los. Wieder an der Wandse, nicht durch den Park- man will sich ja schließlich nicht gleich übernehmen, wenn man schon auf die Spaziergänge zwischendurch verzichtet. Die Nase rotzt von den Pollen in der Luft freudig vor sich hin, die richtigen Jogger zieh'n an mir vorbei und ich nehm' mir vor, zu Hause noch ein paar Sit ups und Liegestütze zu machen. Ey, und kaum bin ich zu Hause, hocke ich mit 'ner Fluppe auf der siffigen Küchencouch und will nur noch essen. Nicht etwa, weil ich Hunger hab', sondern einfach nur weil ich Bock habe Zeugs in mich reinzustopfen. Der Camembert verschwindet in meinem Schlund, das Eis ebenfalls und ich überlege schon, mir Spätzle oder diese Lava-Schokoladenteile zu machen... wer waren noch gleich diese Sit ups?!

    Der Teenager drückt auf meinen Bauch um mir mitzuteilen, dass der ganz schön weich ist. Und gerade, als ich in Tränen ausbrechen möchte weil ich kein Trost-Eis mehr im Kühlschrank hab', fällt mir auf, woher dieser mörderische Appetit kommt, den ich schon seit gut einem Monat nicht mehr richtig zügeln kann.

    Mir geht es gut. Mir geht es seit einem Jahr endlich wieder richtig gut.

    Hallo Bauch! Schön, dass du mir Seelenfrieden mitgebracht hast. denke ich und frag' mich, wie gut meinem Seelenfrieden jetzt wohl so'n Glas gelöffeltes Nutella gefallen würde.

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    Er war ein Geschenk, weil er nicht geliebt wurde. Der Baum, den Aalgrete Dorsch aus ihrem Büro in unseres verfrachtete da er zu viel Platz für sich vereinnahmte. Wir wollten ihn umtopfen und seinen Wurzeln mehr Raum geben- durften wir nicht weil er sonst weiterwachsen und noch mehr Platz beanspruchen würde- hatte Aalgrete gesagt.

    Er begann schon vor geraumer Zeit seine dicken Blätter zu verlieren und blutete gelegentlich auch. Wir nannten ihn liebevoll unseren Stimmungsbaum. Er wurde kurioserweise auch immer kahler, wenn die Stimmung mal wieder einen neuen Tiefpunkt erreicht hatte. Vier Jahre haben wir uns das wachsende Elend des Stimmungsbaums angesehen. Vier Jahre haben wir ihn trotzdem gegossen und gedüngt, wie den Bonsai auf meinem Schreibtisch. Und plötzlich segelt das letzte, seiner einstig vielen Blätter auf die Stehlampe vor meinem Schreibtisch. Er ist nackt, wie'n vergessener Weihnachtsbaum im August. Ein Gerippe ist von unserem Stimmungsbaum und unserer Stimmung übrig geblieben. Reanimation zwecklos.

    Ich entsorge das Blatt in dem Mülleimer unter meinem Schreibtisch und kopiere weiterhin den Kram, der gar nichts mit Unterhalt, sondern mit gesamtschuldnerischer Haftung von Ehepaaren zu tun hat, als Aalgrete durch die Tür gepoltert kommt um die Dunkelheit in unserem Büro zu bemängeln.

    "Sie sind wohl schon im Schlafmodus!" stellt sie schnippisch fest. Die Aussage und der Ton sind für mich Grund genug, um eine Stunde vor Feierabend die Akten einfach Akten sein zu lassen. Is' ja nicht mein Laden, da kann es mir auch egal sein, ob gerichtliche Fristen verstreichen, mh?! Für gewöhnlich tu' ich in solchen Fällen wenigstens so, als würde ich arbeiten. In Wahrheit schreibe und lese ich Blogeinträge oder stöber' bei ebay nach Kleidern und Handtaschen. Nach jener Bemerkung mach' ich mir allerdings noch nicht mal mehr diese Mühe. Nein, ich spaziere erhobenen Hauptes mit dem Gerippe des Stimmungsbaums unter'm Arm an Gretes offener Bürotür vorbei zum Fahrstuhl, fahre zwei Etagen nach unten und prügel den armen Baum etwas ungeschickt in die Mülltonne.

    "schleimi, schleimi in the arschi" sagt die Lieblingskollegin und beschreibt damit das Verhalten der Barbie-Sekretärin. Aber hey... wir kriegen's ja nicht mit. Sind doch schon im Schlafmodus. Nicht zuletzt stimmungstechnisch.

  • title-15967876

    Ich bin ein bisschen fassungslos, dass der Teenager und ich wirklich an der Wandse joggen. Allerdings scheint er noch weniger Kondition zu haben, als ich. DAS hätte ich nicht für möglich gehalten. Den größten Teil der Strecke legen wir gehend zurück, freuen uns, wie dicht wir am Eichtalpark wohnen und spazieren durch den botanischen Garten. Er kann irgendwann nicht mehr laufen weil ihm seine Knie so wehtun. Mein Arzt würde da ja zu mehr Sport raten... sitzen auf 'ner Bank und beobachten Enten. Dabei ärgern wir uns, dass wir unsere Zigaretten zu Hause gelassen haben und ich bin ein bisschen enttäuscht, dass wir unser Gespräch von welchem wir behaupten, dass die Enten es über ihre Ménage-à-troi führen, nicht fortsetzen können, weil eine sehr dunkle Wolke naht.

    Am Schild für'n mongolisches Buffet frage ich den Teenager, warum wir laufen, und nicht essen gegangen sind. Bei jeder Frau, die uns entgegen joggt, schrei' ich Tittenalarm. Leider auch bei einem älteren Herrn, bei dem's mehr wackelt, als bei mir.

    Gina schmeißt mit Türen und fängt an zu heulen weil der Teenager angeblich ihre Zahncreme benutzt hat. Ich hab' dabei nur so'n bisschen das Gefühl im Kindergarten zu leben. Ehrlich. Ansonsten geht's. Wenn man von den hyienischen Zuständen mal absieht...

    Den halben Tag jongliere ich Termine und Verabredungen für's Wochenende so durch die Gegend, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen und ich dennoch alles zusagen kann, worauf ich wirklich dolle wert lege. Darüber hinaus vergesse ich, warum ich eigentlich im Büro bin. Ja geil, dafür fang' ich dann morgen so gegen 6 Uhr (?) an...

    Der andere Mitbewohner und der geile Gast beschäftigen sich in unserem Badezimmer damit, eine neue Duschvorhangstange und einen neuen Duschvorhang anzubringen weil alles, was da bisher hing, einfach nur ekelhaft, abgerockt, versifft und unfunktional war. Keiner kuschelt bevorzugt mit einem schimmligen Duschvorhang, der schon huntertmal eingerissen ist und flutet gern das Badezimmer, um nach'm Duschen auszurutschen.

    Ganz ungeniert steh' ich mal hier, mal da und schau' dem geilen Gast zu, wie er in unserer Duschewanne an irgendwas (was genau ist mir auch Banane) rumfrickelt während sein Shirt immer weiter hochrutscht. Die kleinen Sätze, die so nebenbei fallen, ignoriere ich und freu mich ein bisschen drüber, dass der andere Mitbewohner sich freut, der diese wunderbaren Doppeldeutigkeiten vom geilen Gast einfach mal nicht verstehen kann weil er nicht den Hauch einer Ahnung hat... dabei schau' ich naiv und bin begeistert davon, wie wenig wir uns anmerken lassen.

    Da ist es fast gar nicht mehr dramatisch, dass der kleine Prinz unseren verabredeten Kinobesuch abgesagt hat.

    Und obwohl keiner etwas sehen könnte- in der Küchennische, obwohl ich wenigstens einmal beherzt an seinen Arsch packen könnte, belass' ich's bei dem, was zumindest in der WG gängig ist, wenn wir uns begrüßen oder verabschieden.

    Die Nachricht, dass die schöne, große Blonde demnächst für 'ne Woche in Hamburg sein, und zeitweise auch bei mir nächtigen wird, macht den Tag zu einem ganz schön großartigen. Da weiß ich gar nicht, worauf ich mich zuerst freuen soll: Mit ihr abends durch die Stadt zu streifen und Fotos zu schießen oder vielleicht in eine Kunstausstellung zu gehen. Is' ja auch immer so toll mit ihr. Wie ich mich jetzt schon auf die Teestunden mit ihr im Bett freu' während sie eine wirklich kluge (aber keinesfalls kluggeschissene) Lebensweisheit nach der anderen von sich geben wird...

    Es gibt nicht viele Menschen, die ganzheitlich berühren... sie ist einer von den wenigen.

    Gestern hatte ich mir noch die Fotoautomatenstreifen aus Dresden angesehen, die im gelben Rahmen über meinem Bett hängen und mir gedacht, dass es längst überfällig ist, eine Reise nach Trier zu planen. Nach Braunschweig wollte ich sowieso sehr zeitnah. Die Umstände, all unsere Lebenssituationen haben sich in den letzten vier Jahren verändert, gewandelt... wir sind alle gereift und Studivz gibt es auch schon gar nicht mehr aber irgendwie ist ein kleiner Teil aus dieser Zeit, dieser Gruppe geblieben. Es gibt sporadische und aufrichtige Verbindungen, die sich nie komplett gelöst haben. Ich will fahren. Zu diesem oder jenen Menschen. Zu den Zweien, die ich dort kenn', zu den Beiden dort, die ich nie vergaß und zur dritten jungen Dame, auf die ich ganz gespannt bin.

    Und dann... macht facebook mich heute morgen ganz jubelig und aufgeregt. Aber ich kann ja auch noch zu einem anderen Zeitpunkt nach Trier fahren. Um vielleicht von dort aus weiter nach Paris zu tingeln, oder so...

    Doch! Doch! Das Leben ist schon schön, wenn man es schön sein lässt. Ich darf das nicht immer vergessen... aber bevor es morgen weiterhin schön ist, dieses Leben, mach' ich bubu. Der morgige Tag wird schließlich im Morgengrauen beginnen und mit viel Glück gar nicht grau, sondern mindestens halb so bunt, wie heute. Wenn ich die Unterhaltskacke hinter mich gebracht, und die Barbie-Sekretärin überredet habe für mich etwas via Express zum Gericht zu schicken.

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