szmmctag

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    Ich bin ein bisschen traurig, dass der beste Mann mich nicht vom Flughafen abholen kann.

    Einer von uns beiden muss doch die Brötchen verdienen um dir deinen Jetset-lifestyle zu finanzieren.

    Ich sitze in einem portugiesischem Hostel auf Palettensofas und will mich vor Lachen wegpacken, als ich das lese. Das erste Mal nach unserer kleinen Grundsatzdiskussion, die wir leider schriftlich führen mussten.

    Ich freu' mich auf ihn. Sehr. Nur nicht auf den Stress den ich zwischen Landung und Wiedersehen haben werde. Deswegen kann ich auch nicht schlafen. Was ziemlich übel ist, wenn man bedenkt, dass ich um halb vier aufstehen muss. Ich habe alles gecheckt um nicht zu verschlafen. Drölf Wecker, die Snoozen. Die Zimmertür nicht abgeschlossen, damit die albanische Königin Zutritt hat, falls ich mal wieder vollkommen taub sein sollte. Erfahrung macht schließlich klug.

    An einen Wecker kann ich mich erinnern. Aber ich war zu schnell wieder im Schlaf um aufstehen zu können. Erst als es klopft, realisiere ich, dass etwas wichtig ist.

    Ich laufe zur Tür. Die albanische Königin hält eine Banane in der Hand. "In zehn Minuten geht's los."

    FUCK!!!

    "Trägst du da gerade etwa noch deine Schlafanzughose?" - "Ich bin sofort unten!"

    Gut, dass mein Koffer sich nicht verschließen lässt, weil ich mir einfach zu viele schöne Sachen aus diesem Urlaub mitbringe. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich nur zehn Minuten brauche um in mein Outfit zu springen und um mir diverse Tüten über die Arme zu hängen.

    "Kannst du das und das und das noch einpacken?"

    Das läuft.

    Wir sitzen vollkommen übermüdet im Auto und kommen am Flughafen an, als unser Boarding beginnt. Halb sechs. Die Portogiesische Kartoffel und die albanische Königin verabschieden sich. So, wie ich zehn Tage zuvor verabschiedet wurde.

    Nachdem wir überraschender Weise überrascht sind, welch ein Gewusel dort um diese Uhrzeit schon herrscht, diskutieren wir erstmal zu welcher Airline wir müssen.

    Geduldig stellen wir uns an einer sehr langen, aber doch recht zügigen Schlange an, bei der wir dann kurz vor Gepäckabgabe erfahren, dass wir zu unserem Diskussionsort zurück müssen. Es ist 05:45 Uhr. Unser Flug startet in 15 Minuten. Um zehn vor sechs bemerken wir, dass sich an unserem ursprünglichen Schalter GAR NICHTS tut und wir das Ende der sehr langen Schlange sind...

    Ich krieg' schon 'nen innerlichen Anfall, dass mich das Neubuchen eines Fluges mehrere hundert Euro kosten wird, wenn ich pünktlich zum Geburtstag des besten Mannes mit Kerzchen singen möchte. "Geh durch den Ausgang, erkläre ihr die Situation und komm' zurück." Ich drehe mich zum Gehen um da hör' ich: "Auf Englisch!"

    Warum geh' ich da jetzt hin und nicht sie?

    Sie diktiert mir den Wortlaut. Den hab' ich vergessen, als ich mich zum erneuten Male umdrehe. Ich krieg's trotzdem irgendwie hin. Bin aber verwirrt, warum mein E-Mailticket Boarding um 10.55 Uhr anzeigt.

    Okay, wir fliegen also über München. Der Morgen ist so'n bisschen Schnitzeljagd auf Zeitdruck für mich. Stress ist ja voll mein Ding, ne?!

    "Hurry up!" sagt die Dame zu uns, nachdem unsere Koffer angenommen wurden. Wir rennen durch die Halle zur Sicherheitskontrolle, weichen dabei unzähligen Menschen aus und halten unsere Taschen zusammen, weil sie zu vollgestopft sind, um sie zu schließen.

    Jackpott! Fensterplätze!

    Mit Gürtel und Tuch über'm Arm laufen wir zum Gate. Wir sind die letzten. Alles wartet auf uns. Ich plumpse in meinen Sitz, klappe das Tischchen vor mir runter und lege langsam meinen Schmuck ab, den ich seit drei Minuten fest umklammere um ihn ja nicht zu verlieren.

    Alles an mir hat seinen Platz gefunden. Auch der Gurt. Und der Start über die Lichter der Stadt lässt mich ein letztes Mal auf dieser Reise ganz verliebt in Portugal sein. Entspannung. Endlich.

    Ich versuch' zu schlafen. Zwei Stunden waren einfach zu wenig. Einige Reihen hinter mir plärrt ein kleiner Junge. Ich könnt' durchdrehen. Ich versuch' zu lesen. Aber meine Augen fallen immer wieder zu. An Schlaf ist dank ungenügsamer Position und Geplärre nicht nicht zu denken. Für Sekunden, vielleicht. Wir landen im dicksten Nebel. Die Eltern vom Plärrkind wirken wie Franjo und Verona Pooth für Arme. Sie hat ziemlich dicke Lippen, die alles andere als natürlich aussehen und obwohl sie mir nichts getan haben, find' ich die einfach mal nur scheiße.

    In München bin ich also aggressiv gereizt. Warum weiß ich nicht. Ich weine, trinke einen Tee und liebe die Idee der albanischen Königin, dass ich mir eine weiße Toblerone gegen mein buntes Wollknäuel aus negativen Emotionen gönne. Und ich liebe es, mein einkalkuliertes Flughafen-Geld zu verknallen. Nach einer Zigarette und der Nachricht, dass in Hamburg 26° werden sollen, werden wir schon zum Boarding ausgerufen.

    Wat is' mit denen? Flug geht in 'ner Viertelstunde. Wir schlendern ins Gate und fragen uns, warum die solchen Stress gemacht haben. Wir starten wieder in dicken Nebel hinein. Mit Buch von 'Bad Boy Uli' vor der Nase beginne ich mich zu beruhigen.

    "Holt er dich wirklich nicht ab?" Vielleicht überrascht er dich ja." Ich frage mich kurz, ob die Zwei was abgekaspert haben, verwerfe die Idee allerdings wieder. Wir laufen durch die Halle und laufen auch zu zweit vor die Tür hinaus um uns ein Taxi zu gönnen. "Haben Sie da etwa Steine in Ihrem Koffer?" fragt der Taxifahrer. Nee, die Steine, sind in meinem... im kleineren Koffer.

    Wir stehen im Stau, der Taxifahrer möchte smalltalken, ich aber so gar nicht und dann entwickeln sich miese Kopfschmerzen.

    Der Taxifahrer checkt nicht, wie man auf unseren Hinterhof bis vor die Haustür und zu einer guten Wendemöglichkeit kommt. Das kostet ihn Trinkgeld.

    Ich wasche fünf Maschinen Wäsche, packe die Geburtstagsgeschenke für den besten Mann ein, telefoniere mit Mutti und schnacke kurz mit Pauly, der den Kopf durch meine offene Tür steckt. Der Versuch zu schlafen scheitert kläglich. Die Kopfschmerzen sind zu stark. Das Festnetztelefon höre ich trotzdem nicht. Pauly steht vor meiner Tür und bullert solange bis ich aufmache. Dabei redet er schon wieder so unerträglich laut. Aber irgendwie nicht mit mir. Die Bewegung von Bett zu Tür verschlimmern den Kopfschmerz. Wir einigen uns darauf, dass Monsieur allein putzt und einkauft, damit ich noch schlafen kann. Ich kündige schon an, dass ich für Kuchen keinen Nerv übrig hatte.

    "Hauptsache, wir sehen uns endlich!"

    Geduscht, geschminkt und mit Kleidung sowie Geschenken, gehe ich das neue Lieblingsschokoladeneis kaufen. Die Kopfschmerzen suggerieren mir, ich würde gleich sterben. Die Bus- und Bahnfahrten für die schnellste Verbindung sind Hölle für meinen Kopf. Und irgendwie auch für meinen Magen. Ist das 'ne Migräne? Ich hatte noch nie eine.

    Ich werde von einem strahlenden Gesicht und offenen Armen empfangen. Nach drücken, Rücken streicheln, Kopf- und Nackengekraule folgt ein Kuss und die Frage, ob's mir besser geht. Er sieht mich an und schüttelt schon mit dem Kopf. "Ich seh' schon."

    "Es tut mir so leid, aber ich mag diese Kette nicht, die du mir aus den Staaten mitgebracht hast." er wuselt mir sofort am Hals rum weil er wohl versteht, dass es eher um ein negatives Bauchgefühl geht, als um die Optik. Tja, auf diesen Heilstein vom Indianer reagiere ich irgendwie nicht so wie erwartet.

    Erst landet mein Kopf und dann meine Aspirin im Klo. Der beste Mann rennt durch seine Wohnung und ist überfordert. Ich frag' ihn, welche jetzt meine Zahnbürste war. "Gut, dass ich geschminkt war." sage ich mit verteiltem Mascara auf meinen Wangen. Wir müssen beide lachen. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er augenblicklich platzen."Bitte mach', dass es aufhört" wimmere ich.

    Mit seinen ineinander gefalteten Händen auf meiner Stirn schlafe ich ein. Etwa eine Stunde später wache ich auf. Vor mir stehen zwei Brötchen mit meiner selbstgekochten Pflaumenmarmelade. Meine Kopfschmerzen sind verschwunden. Ich blinzele in das bärtige Gesicht, was mich anlächelt und setze mich auf. Während ich lecker Zucker und Weizen in mich hineinstopfe, ist mein Gegenüber fasziniert davon, wie ich schrilles Weckerklingeln und Geruckel an meinem Körper verschlafen kann aber wenige Minuten später -ohne jegliches Zutun- wach bin.

    Jetzt reden wir. Über meine Reise und noch mal über die Reise meines Freundes. Am Ende halte ich das Becherchen Triple-Choclat-Eis mit blau-weißer Kerze in den Händen und trau' mich nicht so recht zu singen. Macht aber nichts. Er macht sich daran, dass fliegenpilzige Geschenkpapier zu zerfetzen. "Sind das Lampen? Gehören die zu dem Geschenk auf dem Tisch?" - "Da sind Karten für's Stadion drin. Ich seh' das am Format." Abgehakt. Er öffnet das eigentliche Geschenk nicht, bevor er die Bastelei ausgepackt hat. Ihm gefällt, was er sieht. Die Skyline von Hamburg mit Nadeln in schwarzen Karton gestanzt.

    Ich schmeiß' mir zur Feier des Tages Enzyme in den Schlund und schaufel' das Geburtstagseis weg. Später teile ich noch sehr erfreut meine weiße Toblerone mit ihm. Wir reden lange, obwohl wir ziemlich müde sind. Wir kichern, flirten, besprechen, planen...

    Um neun Uhr geht der Wecker. Ich bin längst wach... und räume auf und putze... damit alles so aussieht, wie es sich für mich richtig anfühlt. Die Waage sagt, dass ich abgenommen habe. Die Waage oder meine Selbstwahrnehmung hat Freude daran, mich zu verarschen. Es gibt den Kopfkraul-und-Kaffee-ans-Bett-Service-Wecker, den es ja eigentlich immer gibt. Wir bereiten zusammen den Brunch vor und flirten trotz Zeitdruck irre viel rum.

    Ich mag die Zeit mit seiner Familie. Nur, die Schmerzen an meinen Weisheitszähnen auf der rechten Seite sind ein wenig uncool.

    Wir haben zwei Stunden für uns, die wir dringend brauchen. Dann wird erneut geputzt und es stehen neben meinen Mitbewohnern diverse Leute vor der Tür. "Du bist doch aber nicht die Freundin, die er letztes Jahr hatte." sagt der Russe zu mir. "Ich hätte dich nicht erkannt." Gut.

    Warum alle Wodka mitbringen, aber dann nur Bier trinken, ist mir schleierhaft. Ich hab's irgendwie satt mich rechtfertigen zu müssen, warum ich keinen bis wenigen Alkohol konsumiere. Besonders weil die erste Reaktion immer gleich ausfällt. Pauly hat das gleiche Problem. Er wird genervt, dass er nicht trinkt. Allerdings wird er auch nicht für schwanger gehalten.

    "Was Sein ist, ist Mein." sage ich selbstbewusst. "Noch seid ihr nicht verheiratet!" werde ich von dritter Seite zurecht gewiesen. Wir schweigen und lächeln und irgendwann finde ich schon, dass mein Freund mal einen coolen Witz dazu raushauen kann. Er ist der Clown und Situationenretter bei uns. Aber er macht keine Witze. Er sagt einfach die Wahrheit.

    Ich bin ein bisschen froh, als alle weg sind. Obwohl es ein schöner Abend war. Und am Sonntag ist dann auch Sonntag. Mit geschwollenem, schmerzenden Kiefer, aber immerhin in Chilleroutfit, frühstückend, faul und kuschelnd. Monsieur's Augen leuchten, als ich ihm meinen Entschluss mitteile, heute doch noch nicht in der WG zu schlafen.

    Es gibt unsere Lieblingspizza und Fußball, der mich irgendwie nicht so fesselt. Pizza schmeckt allerdings auch nur halb so gut, wenn man den Mund nicht weit genug aufkriegt um vernünftig zu essen bzw. auch gar nicht richtig kauen kann.

    Ein bisschen freu' ich mich auf Arbeit. Ein bisschen schockiert bin ich dennoch, wie viel da auf meinem Schreibtisch wartet. Nach drei Tagen habe ich mir immerhin einen Überblick verschafft. Das ist heute.

    Also Zeit... ist direkt nach dem Urlaub schon wieder Mangelware. In jeglicher Hinsicht steht täglich etwas an. Aber das ist erstmal phänomenal egal.

  • title-19332167

    03:04 Uhr in einem kleinen Ort an der Atlantikküste Portugals liegt eine Maus allein im Bett und versucht ihr Gehirn nach einer Woche wieder vom Anfänger-Englisch in die deutsche Sprache umzuswitchen. Denglish geht aber sicher auch.

    Erkenntnis nach einer Woche: DIESEN Urlaub habe ich gebraucht. Er kam zu spät und ist wohl das beste, was ich für mich tun konnte!

    Ich lerne jeden Tag englische Vokabeln dazu, mache dauernd neue Erfahrungen und entschleunige mich endlich mal. Ich will hierher zurückkommen. Der geile Gast muss sich das geben um mir zu sagen, ob er die Dinge genauso empfindet, wie ich. Aber erstmal sind andere Sachen wichtig...

    Weil ich noch mehr von diesen großartigen Vibrationen aufsaugen und mit nach Hause nehmen wollte, habe ich mein Hostel für die letzten Tage in Lisbon gecancelt.

    Ich bin geblieben. Am Strand, bei den Surfbrettern und all den bunten Resten, die das Meer ausgespuckt hat. Weil hier keine Maus grau ist. Ich sowieso nicht.

    Dem hübschen Australier im Surfshop habe ich entgegen gebrüllt: "Hey! I'm a tough lady!" während ich mich in einen Wetsuit quälte. Schlichtweg weil ich's so meinte. Ich bin hier sehr mit mir gewachsen und in Einklang gekommen. Ich habe endlich mal wieder so richtig gut gegessen. 10 Tage am Stück. Mein Hüftgold macht bestimmt 2 Kilo aus, was momentan nicht wirklich schlimm ist. Mein Gesicht war eh zu schmal...

    Ich habe viel gelernt. Über mich und mit mir. Meditation war die wohl großartigste Erfahrung für mich. Changed my life.

    Mit mehr Schwarte unter dem gebräunten Teint, einem Koffer voller Muscheln und neuer Erfahrungen, Muskelkater von den kläglichen aber geliebten Surfversuchen und Vorfreude auf den besten Mann, klettere ich nachher in den Flieger. Mit neuen Vorsätzen und einer kleinen Liste voller Erledigungen -.- werde ich noch vormittags landen.

    Volles Programm für die kommenden Tage... von 0 auf 100 in 3 Stunden und 40 Minuten Flugzeit. YEAH!

  • title-19261442

    Das Meer ist in Sicht. Urlaub. Endlich mal wieder Sonne, Strand und Bücher lesen.

    Vorfreude. Aufregung. Reiselust.

    werden getrübt von der viel größeren Freude auf den besten Mann. Aufregung wird noch größer, wenn man nur sehr wenig Zeit mit dem Partner hat. Wir haben uns nach vier Tagen sonst schon immer so viel zu erzählen, da sind zwei Wochen unschaffbar massig für elf Stunden mit Jetlag. Reisegeschichten. <3 werden sicherlich kürzer ausfallen.

    Wir freuen uns wie Bolle aufeinander. Und allein das war's wert.

    "DAS müssen wir nächstes Jahr unbedingt auch machen!"

    oder:

    WOW! Das war so ein Erlebnis was ich unendlich gern mit dir geteilt hätte.

    und:

    Es ist wie schon im letzten Jahr auch eine Überraschung für mich, ob ich dich vom Flughafen abhole.

    Und plötzlich sind es keine vierundzwanzig Stunden mehr. "Ein Honigkuchenpferd ist depressiv, wenn man sich dich so ansieht." lacht der Wirtschaftsjurist. Das sind die letzten Worte, die ich aus dem Büro mitnehme.

    <3
    Urlaub

    Zwischenstopp in der WG. Mit wahllos gepacktem Urlaubskoffer weiter.

    Einkaufen und putzen nicht geschafft.

    Trotz Zeitdruck und Terminen beginnt morgen schon Urlaub. Mit Pflaumenmarmeladenbrötchen. YEAH!

    Sonnencreme vergessen.

    Auch das ist mir lax.

  • title-19207976

    Jeder der behauptet, dass Sehnsucht etwas Schönes sei weil dies Vorfreude bedeute, ist ein Spinner.

    Sehnsucht ist etwas ganz, ganz Furchtbares.

    Ich habe heute leider kein Foto für dich.

    tippe ich ins Handy, wische die Krokodilstränen von meinen geschwollenen Lidern und rede mir ein, dass die Zeit schneller vergeht, wenn ich mehr schlafe, was auch nicht unbedingt funktioniert.

    Ich leide. Wie noch nie. Deswegen kann ich auch kein albernes Selfie von mir verschicken.

    Ich glaube, ihm geht's ziemlich ähnlich. Mit dem Leid und der Sehnsucht. Nur weint er vermutlich nicht heimlich mit Wärmflasche und Schokoeis im Bett.

    So ist das mit der Liebe. Manchmal ist die ganz schön Scheiße.^^

    Das Ding is' ja, dass wir uns darauf geeinigt haben, wie sehr er und ich gegen den Rest der Welt zusammenhalten. Das funktioniert nur nicht so gut, wenn wir uns auf verschiedenen Kontinenten und in relativ gegensätzlichen Zeitzonen befinden.

    Schön, dass ich selbst die legitimsten Emotionen versuche plausibel zu rechtfertigen. :roll: Ich muss mir das auch echt mal abgewöhnen...

    Ich hatte mir so viele Dinge vorgenommen, die ich während dieser zwei Wochen Alleinsein treiben wollte. Aber die erste Woche ist vorbei und ich habe beinahe gar nichts geschafft. Natürlich treffen wir uns hin und wieder bei Skype und whatsappen fleißig. Aber so schön es auch ist, dieser ruhigen, friedlichen Stimme zu lauschen und in dieses rotbärtige Gesicht zu schauen, so sehr fehlt mir die Anwesenheit dieses einen Menschen an meiner Seite.

    Meine Homebase ist nicht Zuhause.

    Ich wollte basteln, Marmelade kochen, häkeln, putzen, backen, Koffer packen und sporteln. Aber ich bin für alles zu traurig. Ich habe eine ganze Wohnung für mich in der ich mich geborgener fühle, als an dem Ort für den ich Miete bezahle. Aber all die Geborgenheit sorgt nur dafür, dass ich mich einigeln und leidenschaftlich leiden möchte. Wie kann das eigene Wohlbefinden so sehr von der physischen Nähe eines anderen Menschen abhängen?

    Es sollte ein Lichtblick für mich sein, dass ich nächste Woche ebenfalls in die Sonne fliege um zu surfen, am Strand zu chill'n und mir Lissabon anzusehen. Aber der wahre Lichtblick liegt eher darin, wenige Stunden vor Abflug meine Homebase in Empfang zu nehmen und sie kurz zu genießen. Die Homebase-Vorfreude ist getrübt von dem befremdlichen Gefühl, nach wenigen Stunden Zweisamkeit, schon wieder allein auf Achse sein zu müssen.

  • title-18918188

    Neuer Versuch:

    Den Kleiderschrank ausgeräumt, Dreiviertel des Inhalts an Flüchtlinge gespendet. Schuhe, Bücher, Filme und Musik verschenkt, verkauft oder noch bei Ebay drin.

    Fotos und Briefe zum Verbrennen bereit gelegt. Das gibt ein Feuerwerk. Schmuck weggeschmissen. Festplatte vom Rechner, der seit zwei Jahren nicht genutzt wurde mit Hammer zertrümmert und entsorgt. Rechner auch. Alles muss neu.

    Fertig bin ich noch lange nicht, aber es fühlt sich schon mal sehr gut an! Es ist prima, sich zu minimieren. Es ist richtig, unschönen Ballast aus der Vergangenheit loszuwerden aber dafür nur Schönes mit in die Zukunft zu nehmen.

    Ich hoffe dadurch ja auf wesentlich weniger Möglichkeiten binnen Minuten akuteste Unordnung zu schaffen.

    Im Büro komme ich auch langsam in die Gänge... Langsam, wenn die Tagesform stimmt.

    Während ich all das Liegengebliebene sortiere, ordne ich auch meinen Kopf neu. Furchtlose, moralische Inventur mit mir Selbst. Abschiede. Trennungen.

    Mein neues Donnerstagabendprogramm mit einer Gruppe von gleichgesinnten, erwachsenen Kindern (...) hilft. Ich habe dort Aufgaben übernommen, mich eingefügt und freue mich immer wieder auf das anschließende sleepover-Date beim geilen Gast.

    Ja, den gibt es noch. Präsenter, als je zu vor für mich. Bester Mann. Ich schwör'.

    Geht gut. Auch, wenn es momentan nicht so den Anschein hat. Ich gebe mir Mühe, mein Herz nicht mehr so sehr auf der Zunge zu tragen. Ich übe noch. Dafür funktioniert es jetzt wesentlich besser, meinen Mitmenschen (insbesondere meinem Partner) zu vertrauen. Kein Ausraster mehr. Nur noch pure Harmonie und Freude.

    Soziale Kontakte pflege ich derzeit schlechter, denn je. In der Hoffnung, dass es mir niemand übel nimmt, wenn ich endlich damit aufgehört habe so beschäftigt mit mir selbst zu sein.

    Ist wohl alles ein Prozess.

    Wird schon. Und wenn nicht... ist das ja auch nichts Neues mehr für mich.

  • title-17954588

    In der Realität züchte ich eben nicht bloß Honigkuchenpferde und tänzel' über Regenbögen.

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