szmmctag

  • title-20090336

    Als ich vergangene Woche las, dass im Rostocker Zoo ein Halbbruder vom damals gehypten, mittlerweile allerdings sehr toten Eisbären Knut geboren wurde, musste ich an meinen allerersten Freund namens Faker denken. Auch er war seinerzeit dem Anblick des kleinen tapsigen Bären verfallen, den man einfach nur knuddeln wollte. Ich nahm also etwas weltbewegendes wie die Geburt eines Eisbären zum Anlass, auch meine Welt mal ein bisschen zu bewegen.

    Da die Trennung damals alles andere als glimpflich und fair über die Bühne ging, habe ich Faker viele Jahre nichts Gutes gönnen können. Wie das nun mal so ist, wenn man keinen vernünftigen Schlussstrich zieht und sich lieber betrügt und belügt, bleibt nach einer langjährigen Beziehung nichts mehr außer negativer Gefühle.

    Da ich an dieser Stelle niemanden mit verjährten Details langweilen möchte nur so viel:

    Ich wurde für eine zarte, x-beinige Blondine mit Schielneigung verlassen- einen Monat nachdem Faker und ich in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung gezogen waren. Ich kam mir nach fast sieben Jahren Beziehung reichlich gedemütigt und verarscht vor. Jedoch mehr aus dem Grunde, dass wirklich jeder in unserem Bekanntenkreis schon seit einigen Monaten im Bilde war- außer mir. Obwohl ich doch in genau dieser heiklen Phase fragte, ob es wirklich ein Fakerziel wäre, mit mir eine Zukunft aufzubauen. Denn das Gefühl hatte ich zu jenem Zeitpunkt eben auch schon lange nicht mehr. „Na klar. Was denkst du denn? Ich liebe dich.“ waren seine Worte.

    Natürlich glaubte ich ihm. Weil ich es wollte.

    Wenige Wochen danach folgte die Trennung. Ohne Gespräch. Es war vorbei und es war schrecklich. Für mich.

    Das war’s. Bis ein bereits verstorbener Eisbär einen Halbbruder bekommt.

    Ich schrieb Faker bei Facebook und war überzeugt, in seiner Antwort Freude zwischen den Zeilen lesen zu können. Unsere ersten Nachrichten ganz zaghaft… ich erzähle meiner besseren Hälfte vom E-Mailverkehr, aber den interessiert das alles so gar nicht.

    „Ich würde mich gern mit Faker treffen, sofern seine Freundin das zulässt, weiß ja nicht wie die drauf ist.“ – „Was versprichst du dir davon?“ – „Ich weiß es nicht, ich habe bloß irgendwie das Bedürfnis diese Sache mal richtig zum Abschluss zu bringen.“

    Ich glaube, dass ich es einfach satt hatte, diesen Menschen als abgefucktes Arschloch und mich selbst als das Opfer zu sehen. Und damit gibt es dazu auch nichts mehr zu sagen. Außer, dass er und Blondi nur wenige Parallelstraßen von meiner WG entfernt wohnen und wir uns deswegen auch in unserer Hood treffen.

    Ich erschrecke mich, als jemand seine Hand auf meine linke Schulter legt- obwohl ich damit rechnen müsste während ich auf Faker warte. Fakers Stimme klingt vertraut aber auch seltsam weit weg für mich.

    „Hast du zugenommen?“ frage ich grinsend als wir auf unseren Tisch warten. Er sieht beschämt aus „Das kommt weil ich vor fünf Monaten aufgehört habe zu rauchen.

    Ich bin aufgeregt und nervös. Das ist ja bei mir immer so offensichtlich, dass ich es nicht wage dies unter den Teppich zu kehren. Ich zappel und zappel und sowohl Faker, als auch ich haben Angst, dass ich Kerzen oder Getränke mit meinen wild gestikulierenden Händen von unserem Tisch fege. Ich rede wirr und verwirre mich dabei auch noch selbst. So ist das, wenn man tausend Gedanken gleichzeitig hat.

    Und dann haben wir uns soooooo viel zu erzählen. Wer sein coming out, eine oder gar schon mehrer Hochzeiten und vielleicht sogar einen Entzug hatte und wie die Kinder von unseren ehemaligen Klassenkameraden aussehen… Natürlich tratschen wir nicht nur. Eigentlich ist das ganze Gespräch kein Tratsch, es ist ehrliches Interesse an den Interessen des Gegenübers und an dem Werdegang der Menschen, mit denen wir unsere Jugend verbracht haben.

    Ich fühle mich ganz und gar nicht so, als würde ich mit einem ehemaligen Partner reden. Eher, als würden wir uns bereits seit der Kindergartenzeit kennen.

    Dennoch reden wir auch über uns. Ich erkläre ihm, wie es sich damals für mich angefühlt hat als er einfach aus meinem Leben verschwunden ist. Es gibt viele Dinge für die wir uns entschuldigen. Beieinander. Dafür, dass ich ständig aus der Haut gefahren bin, bitte ich als erstes um Verzeihung. Er schüttelt lachend den Kopf.

    Aus seiner Antwort höre ich heraus, dass Blondi ähnliche Probleme hat wie ich. Halt nur irgendwie noch lauter und unbeherrschter. Faker sagt mir auch ganz direkt, dass die Zwei seiner Ansicht nach seit geraumer Zeit eher eine Zweckgemeinschaft bilden, als eine Beziehung zu führen. Ich bin tief getroffen, als ich höre, dass mein Gegenüber nicht glücklich ist. Ehrlich.

    Und doch verurteile ich ihn beschämender Weise ein wenig. Weil es mich daran erinnert, wie es mir vor sieben Jahren erging.

    „Weil wir uns schon so lange kennen, nehme ich mir jetzt die Dreistigkeit heraus, dir ungefragt zu sagen, was ich wirklich denke: Du bist eine feige Sau. Warst du damals bei mir und jetzt machst du es genauso mit Blondi.“

    „Ich weiß.“ Zack! Da tut mir Faker auch schon wieder leid. Ich versteh das schon irgendwie. Aber ich find’s halt nicht fair Blondi gegenüber.

    Folgende Worte hätte ich nie, nie, nie, niemals von Faker erwartet:

    „Ich wollte dir das eigentlich nicht erzählen, aber ich habe unsere Trennung damals tatsächlich recht schnell bereut.“

    Weil ich dachte, dass solche Aussagen nur in irgendwelchen quatschigen Frauenpower-Filmen vorkommen und nichts mit der Realität zu tun hätten, bemerke ich ein Gefühl der Genugtuung in mir aufsteigen und schäme mich sofort dafür. „Unsere Trennung war überfällig. Von den sieben Jahren, die wir uns als Paar betitelt haben, waren die letzten fünf pure Zeitverschwendung.“ Faker nickt. "Wir wussten es nicht besser und dachten, dass das so muss- wir zwei, egal unter welchen Umständen zusammen."

    Ich erinnere ihn dran, wie rabiat und rücksichtslos wir miteinander umgegangen sind. „Ich war so ein Arschloch. Oh, mein Gott… ich hab’ das all die Jahre verdrängt. Mich wundert es, dass du je wieder zu einem Mann Vertrauen fassen konntest, nachdem ich dich so ausgenutzt habe.“

    Ich bin überrascht, dass er sich wirklich als das Ekelpaket von uns beiden sieht. (Weil zu einer Beziehung ja nicht mindestens zwei Menschen gehören.^^)

    So schön der Abend auch ist, der Gedanke, dass mein Gegenüber vertuschen muss, dass er seine alte Banknachbarin aus der neunten Klasse getroffen hat, lässt mich nach der Rechnung für unsere Teeparty fragen. „Sie arbeitet heute Abend.“ – „Mein Freund aber nicht und ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mit meinem Exfreund versabbeln kann, ohne absurde Gedanken auszulösen.“

    Mal abgesehen davon ist das Gespräch ganz anders verlaufen, als ich erwartet hatte. So, dass ich noch vor dessen Beendigung bemerke, wie sehr es mich beschäftigen wird. Direkt im Anschluss liege die halbe Nacht wach und zergrüble Probleme, die nicht meine sind.

    Dabei ist es natürlich vermessen, seine eigenen Ansichten oder Einstellungen für goldrichtig zu halten. Ich bin nur irgendwie davon ausgegangen, dass Faker mit Blondi damals sein Glück gefunden hat und dachte, die Zwei hätten vielleicht sogar schon geheiratet oder so. Dementsprechend bin ich aus allen Wolken gefallen als Faker mir offenbarte, wie schlecht es zwischen den beiden läuft- seit acht Jahren.

    „Sie hasst meine Eltern, weil die dich nach unserer Trennung zu Kaffee und Kuchen eingeladen haben.“ Damit ist Blondi nicht allein. Ich habe seine Eltern auch gehasst, nachdem sie mich zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatten. Der Hass war unbegründet, wie sich gestern Abend rausstellte, als wir dieses Missverständnis aufklärten.

    Ich finde mich arrogant, als ich meiner besseren Hälfte von diesem Abend mit den abschließenden Worten. „Ich hab’ gewonnen.“ berichte. Dabei bin ich gar nicht arrogant, sondern einfach nur viel glücklicher, als der Mensch, von dem ich dachte, dass er glücklicher sei.

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    Die Weihnachtsfeiertage und der damit einher gegangene Stress sind endlich vorüber und eigentlich könnte ich mal so richtig ausschlafen. Ich sollte entspannt sein. Der beste Mann und ich haben uns mit sinnvollen Liebenswürdigkeiten beschenkt, für die Familien Geschenke und Mitbringsel geplant und gemeinsam organisiert... und dann hab' ich mal Ferien bei Mutti gemacht.

    Ich habe einen liebreizenden Sorgenfresser kennengelernt, auf den ich nun etwas neidisch bin und mir über Silvester sowie die Pläne für's neue Jahr Gedanken gemacht. Ich habe die Wohnung aufgeräumt, den Wasserfleck an der Küchendecke beobachtet, mir Sorgen um den Schimmel in dem einen Badezimmer und dem anderen Schlafzimmer gemacht, Wäsche gewaschen und ich war gut zu mir. Dennoch habe ich die ganze Nacht kein Auge zugetan. Gegen zwei feierte ich eine aufgebesserte Urlaubskasse dank Pokerei meiner besseren Hälfte. Gegen vier begann ich das Internet zu durchforsten. Gegen fünf hatte ich zufrieden festgestellt, dass ich nächsten Monat den Flug nach L. A. buchen kann und war mit der halben Urlaubsplanung durch. Gegen sechs hatte ich dann auch die aktuellen Wohnungsangebote abgearbeitet und gegen sieben versuchte ich vergeblich nicht mehr nur allein wach zu sein. Gegen acht muss ich verraten, warum ich nicht schlafen kann.

    Gegen neun beschloss ich allein auf den Flohmarkt zu gehen. Um zehn war ich geschminkt und startklar.

    So schmucklos, wie ich Weihnachten in diesem Jahr empfand, so knallerbsenmäßig werde ich wohl auch den Jahreswechsel begehen. Mal wieder mit neuen Vorsätzen und guten Ideen im Gepäck. Ich sollte vielleicht mal beginnen, meine Ideen auch umzusetzen. JETZT.

    In diesem Sinne wünsche ich allerseits ein zauberhaftes und besinnliches Weihnachtsfest gehabt zu haben und wünsche einen Guten Rutsch!

    AUFI GEHT'S!

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    Wer die Zigaretten hinter sich lässt, gewinnt.

    Ich gewann 5 Kilo.

    Ende Oktober habe ich beschlossen endlich Nichtraucher zu werden. Seitdem habe ich durchgehalten. Und wieder aufgegeben. Alles mehrfach. Jede Zigarette die ich glaubte rauchen zu wollen, hat mir weder ein Gefühl von Erleichterung verschafft, noch hat sie geschmeckt.

    Einzig und allein die Zigaretten mit Frau xyz in der WG-Küche waren gemütlich.

    Wie dem auch sei. Das Thema ist irgendwie durch. Der Ekel wächst stätig. Besonders in Bezug auf Gestank.

    So einfach kann das sein. Kein Ding draus machen. Einfach nicht mehr rauchen. Und diese unterstützende Hypnose hören.

    Seit mein Partner nachgezogen hat, denke ich noch seltener, dass ich gern eine rauchen möchte.

    Nicht zu rauchen und daran immer weniger zu finden, sollte mich mit Stolz erfüllen. Allerdings frage ich mich jetzt eher, warum ich mit diesem Scheiß überhaupt je angefangen habe...

    ... der Herbst hat zugeschlagen und ich bin in ihm hängen geblieben. Mich erreicht so gar keine Weihnachtsstimmung. Und auch sonst friere ich einfach nur und bin müde. Irgendwas erkältungsmäßiges hockt mir seit Samstag im Nacken aber überfällt mich nicht so richtig. Die Weisheitszähne buckern fleißig und sorgen für Kopfschmerzen. Wenn ich daran denke, wie Vollgestopft die Kaufhäuser sind, vergeht mir alles. Wie kann man sich bei so viel Reizüberflutung und Tohuwabohu noch auf diesen einen Tag freuen, der doch angeblich besinnlich verbracht wird? Dieses Jahr ist mir das schleierhaft. Ich fühl mich grinchig. Hoffentlich stimmt mich die geplante Backaktion mit der besseren Hälfte noch auf Weihnachten um. Die schönen Adventskalender, die ich seit Montag geschenkt bekam, haben's leider nicht geschafft.

    Es geht doch nun wirklich nicht, dass ich den letzten Monat dieses Jahres müde und frierend im Bett verbringe. Was tut man gegen Schläfrigkeit und permanent kalte Gliedmaßen?

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    Bockt hart, wenn Einträge nach 4,5 Stunden Getippe einfach mal weg sind weil das Internet abkackt.

    Ich bin ein Gänseblümchen.

  • title-19563968

    Ich hab' schon wieder ein Stückchen meines Herzens an ein Fleckchen dieser Erde verschenkt.

    Großartig, in einem Bed and Breakfast auf dem Wasser zu nächtigen. Cool, abends im Bett zu liegen und die '???' zu hören. Witzig, wie da jemand jeden Morgen das Badezimmer mit dem Duschabzieher von Wasser befreien muss weil er es geflutet hat. Lustig finde ich das natürlich nur, weil ich nicht dieser jemand war.

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    Da wir schon mittags in Amsterdam waren und auch recht schnell unsere Kajüte bezogen hatten, lag es nahe direkt mal das Festland zu erkunden. "Hach, ist das hier schön." hört man von mir an ungefähr jeder Ecke, um die wir biegen. Und wir biegen um verdammt viele Ecken, was sich rausstellt während ich auf die Idee komme unser Geld zu verpulvern, als ob mich die leckersten Süßigkeiten tatsächlich Gold pupsen lassen würden. Hoffentlich lach' ich irgendwann drüber, dass ich gerade 8 Euro für einen Liter Apfelsaft und eine große Flasche Wasser verschleudert hab'. "Weißt du noch damals in Amsterdam, als du ernsthaft 8 Euro für eine Apfelschorle ausgegeben hast?" grinst der beste Mann.

    "Weißt du noch damals, in Amsterdam..." sagen wir fortan immer, wenn irgendeiner unserer vielen Pläne nicht aufgeht. War ja nicht der einzige Moment, in dem wir aufgrund von Unwissenheit Fuffis durch den Club ÄHH... Amsterdam geschmissen haben.

    Der Vondelpark war zwar nicht mein Plan des Tages, aber ich stelle schnell fest, dass sich der Besuch lohnt. Es ist also okay, über Tagesziele weit hinauszuschießen. Der Abend endet um halb zehn mit Gejammere über schmerzende Füße im Bett links, mit genüsslichem Niederlegen der Glieder im rechten Bett und den '???' auf dem Tisch in der Mitte.

    Am zweiten Tag finde ich Amsterdam noch schöner. "Ich weiß ja nicht, ob du's heute schon gehört hast... Es ist so schön hier!" Eine Stärkung im Café de twee Zwaantjes nach einem Endlosmarsch durch den Jordaan und einer Fotosession vor verdächtig wirkenden Brennnesseln. Türkisfarbenen Käse mit Lavendel im Laden des Käsemuseums probieren. Einen Cocktail im wahrscheinlich hübschesten Szeneladen der Stadt genießen. <3

    "Mir fehlt es, dich zu sehen, wenn wir reden. Das ist doch bescheuert mit diesem Tisch hier in der Mitte."

    Samstag ist alles am schönsten. Amsterdam vom Wasser aus. <3 "Lass mich raten! Du findest es sehr schön hier." Pannekoeken <3 Riesenrad <3 In der Altstadt reiht sich ein Süßigkeitenladen an den nächsten. Und dabei sieht alles so toll, bunt, gemütlich und niedlich aus! Ich glaube, ich kann den Herbst doch lieben lernen. Das habe ich dort gemerkt.

    "Jetzt hatten wir schon wieder so einen großartigen Sommer." höre ich mich sagen während wir noch mal von der Sonne geküsst werden. "Hattest du daran gezweifelt?" schmunzelt dieser Lieblingsmensch und küsst meine Stirn.

    "Ich dachte gestern Abend, du tötest mich, wenn ich das jetzt sage." - "Mh? Warum?" - "Cheesy, halt... in der Situation." Ich glaube es gibt schlimmere Macken, als deine Vorliebe für Klischeekitsch!

    Kurz darauf sitzen wir im Zug und scrabbeln. "Ich hab' zu wenig Fotos gemacht." aber ich bereu' es nicht. "Du?! Ich zieh' ab morgen wieder in die WG zurück, ne?!" - "Warum? Weil wir beide viel zu erledigen haben." - "Ja, zum Lernen ist es schon besser." Gut, dass wir uns verstehen.

    Den Plan hat der Herr zwar 24 Stunden später schon wieder vergessen. Aber mit meinen Geschenkpaket voller Bronchitis, welches ich ihm während unseres Urlaubs und irgendwie auch schon davor überreicht habe...

  • Komm, wir fahren nach Amsterdam!

    Wer sitzt gerade im Zug und ist auf dem Weg?! :>>

  • title-19451295

    Eigentlich wollte ich noch die letzten Erinnerungsfetzen aus meinem Urlaub festhalten, aber ich stelle fest... meine Erfahrungen beim Yoga und was das mit meinem Hirn gemacht hat, sind zu intim und klingen zu weird um sie in die Welt hinauszuposaunen. Da bleibt dann nur der Rest.^^

    Aber es gibt ja auch Impressionen, die vielleicht jeder für sich selbst kennen und auch lieben lernen könnte.

    Ich gestehe, dass ich die meiste Zeit in meinem Urlaub mit Chill'n verbracht hab'. Wie sich das gehört. Die ersten drei Tage habe ich quasi durchgeschlafen. Meinem Schlaf konnten weder Anrufe noch der Versuch meine Zimmertür von Außen zu öffnen etwas anhaben. Jedenfalls am Abend. Morgens bin ich einmal mit der Sonne aufgewacht. Ich habe ihr entgegen geblinzelt und diese Farbpracht hinter den Hügeln voller Palmen so unendlich genossen. Dabei schön aufgerichtet und in den Bauch geatmet.

    In neuer Lieblingsschlonzhose bin ich meist mit O-Saft und Frühstück auf die Terrasse geschlurft. Habe mich in die Sonne gesetzt und so richtig gelebt. Ich musste nie sonderlich lange auf die albanische Königin warten. Und wenn doch, habe ich mich immer wunderprächtig mit allen Gästen und Angestellten des Hostels unterhalten. Das junge französische Ehepaar und ich hatten viel Spaß. :)) Der schwule Italiener und sein befreundetes Paar haben für mich 'Oasis' auf der Gitarre gespielt und gesungen. Die albanische Königin erzählt der portugiesischen Kartoffel, dass ich seinem Hostel gute Bewertungen bescheren werde, so wie ich alle Gäste um meinen kleinen Finger wickel'.

    "Endlich bist du wieder die alte Inga." höre ich von der Frau, mit der ich seit einem Jahr sehr viel Zeit teile.

    Die Nachmittage haben wir immer am Strand verbracht. Nicht so oft, wie geplant mit Surfbrett. Aber eben doch das eine oder andere Mal. Es gab Tage an denen ich unglaublich motiviert bei der Sache war. Nicht zuletzt, weil ich mich gar nicht mal so dumm anstellte und ziemlich schnell Blut geleckt hatte, als es einigermaßen lief. Die Geschwindigkeit unter mir zu spüren, war schon recht beeindruckend. Wenn auch nur immer sehr kurz. Mit tierischem Muskelkater und etlichen blauen Flecken an meinem Körper wachte ich am nächsten Morgen wieder auf. Das hatte sich gelohnt.

    Es gab auch Tage an denen war ich eigentlich schon vollkommen am Ende, als ich mich in den Wetsuit gequält hatte. Mit Brett im Griff rannte ich gegen Wände aus Wellen und diese rissen mich eher zurück zum Strand, als auf's Board.

    An jenem Tag diente das Surfboard mehr des Posings, als des Surfens. Wenn ich schon scheitere, kann ich dabei ja wenigstens eine gute Figur machen. dachte ich mir.

    Ich würde aber behaupten, dass ich die schönste Zeit hatte, wenn ich Muscheln und Steine sammeln gegangen bin. Immer wieder mal habe ich genauer hingesehen und so viel Schönes entdeckt. Wobei meine Begeisterungsfähigkeit für so ziemlich alles dort gereicht hat. Aber es ist wirklich beruhigend, wenn man sich mal Zeit nimmt die Natur und das Leben darin zu betrachten. Ich habe durchgeatmet. Immer in den Bauch. Bei aufrechter Körperhaltung. Wie ich es beim Yoga gelernt habe. Neun Tage. Es hat nicht gereicht. Ich bin traurig, als wir den Strand am letzten Abend verlassen. Obwohl ich mich doch auf mein Zuhause freue.

    Ich hatte das Gefühl, nicht ausreichend gesehen zu haben, obwohl mich unser Ausflug zur Mittelalterburg ein paar Orte weiter schon sehr sprachlos gemacht hat. Sprachlos war ich, weil das alte Gemäuer zwischen Palmen und Olivenbäumen im Sonnenuntergang so herrlich geleuchtet hat. Lissabon musste ich sausen lassen um noch mehr am Strand zu sein. Um zu lesen, zu laufen oder um in die Wellen des Atlantiks zu hüpfen.

    Jetzt weiß ich, wie Urlaub sich zu kurz anfühlen kann. Meine Akkus sind vielleicht bis zu 35 % aufgeladen. Ansonsten bin ich jetzt leider wieder recht schnell die Alte geworden. Natürlich schaue ich 'Breaking Bad' nun mit Originalton noch mal. Mein Überschwang von Kreativität reißt nicht ab. Allerdings habe ich viel zu viele Ideen für zu wenig freie Zeit. Es bleibt nicht die Möglichkeit, mich auszuleben. Weil ich tendenziell nur vereinzelte Tage in der WG bin und wohl kaum mein halbes Hobbyzimmer in die kleine Wohnung meines Partners schleppen kann. Und in der WG wohnen und begegnen einem immer so viele nette Menschen... Schwups ist nach dem Feierabend und einigen Gesprächen auch schon wieder Schlafenszeit.

    Meine Hood hat sich verlagert. Unbeabsichtigt. Aber ich habe das mit sehr viel Freude gefeiert. Good old Barmbek. dachte ich, als ich Samstag das Abendbrot beim Gemüsehändler in der Fuhle kaufte und mich nicht an eine Supermarktschlange stellen musste.

    Nun denn. Ich dachte, dass ich mal wieder etwas aktiver werden würde, aber ich trödel und trottele immer noch die ganze Zeit so vor mich hin. Ich weiß, was ich alles möchte, könnte, sollte und müsste. Nur fehlt mir die Energie dazu.

    Obwohl ich irgendwie schon nach den nächsten Flügen schau' weil mein Hintern viel zu voll mit Hummeln ist, bin ich überwiegend froh, wieder viel in Barmbek zu sein. Mit dem besten Mann ist halt alles schön. Selbst matschiger Pflaumenkuchen, der wesentlich besser schmeckt, als er aussieht. Die albanische Königin zwischen uns auf der Couch, während wir gespannt ihrem Problem mit der portugiesischen Kartoffel lauschen. 'Skip-Bo' mit seiner Oma, die uns quasi nur abzieht. Stullen schmieren und Sonntagabendzockerei versus Nagellackparty in Monsieurs Wohn- und Schlafgemach.

    Neues gibt es nicht wirklich. Nur der Eindruck, den ich wenige Tage nach meiner Heimkehr aus Portugal von mir selbst gewinne ist mir unbekannt. Beim Durchschauen der Urlaubsbilder seh' ich mir noch mal genauer an, wie ich mit Surfboard im Arm wirke. Das bin ich?! Ernsthaftig war es gut, dass ich mich mal so wahrnehme. Im Bikini. Schon irgendwie recht nice. Uneigentlich bin ich immer wieder ein bisschen fassungslos, wenn ich diese Fotos betrachte.

    Darauf gönn' ich mir eine ordentliche Portion Narzissmus und starte in eine neue Woche.

  • title-18918188

    Neuer Versuch:

    Den Kleiderschrank ausgeräumt, Dreiviertel des Inhalts an Flüchtlinge gespendet. Schuhe, Bücher, Filme und Musik verschenkt, verkauft oder noch bei Ebay drin.

    Fotos und Briefe zum Verbrennen bereit gelegt. Das gibt ein Feuerwerk. Schmuck weggeschmissen. Festplatte vom Rechner, der seit zwei Jahren nicht genutzt wurde mit Hammer zertrümmert und entsorgt. Rechner auch. Alles muss neu.

    Fertig bin ich noch lange nicht, aber es fühlt sich schon mal sehr gut an! Es ist prima, sich zu minimieren. Es ist richtig, unschönen Ballast aus der Vergangenheit loszuwerden aber dafür nur Schönes mit in die Zukunft zu nehmen.

    Ich hoffe dadurch ja auf wesentlich weniger Möglichkeiten binnen Minuten akuteste Unordnung zu schaffen.

    Im Büro komme ich auch langsam in die Gänge... Langsam, wenn die Tagesform stimmt.

    Während ich all das Liegengebliebene sortiere, ordne ich auch meinen Kopf neu. Furchtlose, moralische Inventur mit mir Selbst. Abschiede. Trennungen.

    Mein neues Donnerstagabendprogramm mit einer Gruppe von gleichgesinnten, erwachsenen Kindern (...) hilft. Ich habe dort Aufgaben übernommen, mich eingefügt und freue mich immer wieder auf das anschließende sleepover-Date beim geilen Gast.

    Ja, den gibt es noch. Präsenter, als je zu vor für mich. Bester Mann. Ich schwör'.

    Geht gut. Auch, wenn es momentan nicht so den Anschein hat. Ich gebe mir Mühe, mein Herz nicht mehr so sehr auf der Zunge zu tragen. Ich übe noch. Dafür funktioniert es jetzt wesentlich besser, meinen Mitmenschen (insbesondere meinem Partner) zu vertrauen. Kein Ausraster mehr. Nur noch pure Harmonie und Freude.

    Soziale Kontakte pflege ich derzeit schlechter, denn je. In der Hoffnung, dass es mir niemand übel nimmt, wenn ich endlich damit aufgehört habe so beschäftigt mit mir selbst zu sein.

    Ist wohl alles ein Prozess.

    Wird schon. Und wenn nicht... ist das ja auch nichts Neues mehr für mich.

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    In der Realität züchte ich eben nicht bloß Honigkuchenpferde und tänzel' über Regenbögen.

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