szmmctag

  • Und jetzt:

    würde ich hier gerne reintippen, dass der beste Mann und ich eine riesengroße Wohnung mit allem Schnick und Schnack für einen Spottpreis ergattert haben aber die Wahrheit ist, dass wir uns kürzlich eingestanden, den Zusammenzieh-Fehler beide kein drittes Mal machen zu wollen.

    Aber alles auf Anfang:

    Ich bin nicht sicher, wann es anfing weil es wohl ein sehr schleichender Prozess war aber irgendwann zwischen "Übergangsweise ziehen wir in diese kleine Wohnung!" und "Warum hast du die Bewerbung für die Wohnung, die wir gestern besichtigt haben noch nicht unterschrieben?" ist irgendwas aus dem Gleichgewicht geraten. In mir. Zwischen dem besten Mann und mir. Und wahrscheinlich auch in ihm.

    Mein Kopfkarussell wirbelte alles lustig durch die Gegend. Bis gar nichts mehr lustig war.

    "Ich bin unglücklich." - "Ich auch."

    There we are. Am ersten lauen Freitagabend in diesem Jahr. Nachdem wir eigentlich einen schönen Nachmittag haben wollten, der einfach nur irgendwie schräg verlief. Traurig darüber, dass irgendwas zwischen uns komisch ist. Auf tragische Weise. Es tut weh auszusprechen, was mir während der letzten Wochen durch den Kopf gegangen ist und noch geht. Aber es tut gut zu hören, dass mein Gegenüber mit denselben Gedanken schwanger ist. "Gut, dass ich schon ein Weilchen auch nach 1-Zimmer-Wohnungen gesucht habe. In unserem Haus wird nämlich eine frei."

    Aus unerfindlichen Gründen heißt es plötzlich nur noch: "Sollte ich die Wohnung bekommen..." oder auch "Falls du die Wohnung kriegst..." Wow, so einig waren wir uns in Bezug auf eine gemeinsame Wohnsituation schon lange nicht mehr. Ich bequeme mich, nachdem die Anzeige schon eine Woche nicht mehr online ist, mal unsere Hausverwaltung anzurufen: "Offene Besichtigung, heute 18:00 Uhr bei Frau sowieso."

    Also schlüpfe ich mit Haustürschlüssel in der Hand an den wartenden Interessenten vorbei, grüße breit grinsend und klopf' bei Frau sowieso um mich nicht einreihen zu müssen. Bevor es das erste Mal klingelt und die Meute über diesen tollen Dielenboden trampeln kann, fühle ich mich bereits total Zuhause.

    Sicher bin ich trotzdem nicht, ob das so eine gute Idee ist. Aus sehr vielen verschiedenen Gründen, allerdings ist keiner dieser Gründe die Wohnung. Auch das Gespräch darüber kostet Kraft.

    Als ich die Bewerbung für "meine" jetzige Wohnung zwei Etagen tiefer abschicke, fragt mich der beste Mann, wie es mir mit dieser Entscheidung geht. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung weil ich zu verwirrt von all den vielen Gesprächen der letzten Tage bin. "Wir werden sehen, wie ich mich damit fühle, wenn es so weit ist. Meine Bewerbung allein ist ja nicht verbindlich."

    24 Stunden nachdem ich der Hausverwaltung eine Mail geschickt habe, ruft die mich auch schon an. "Die Eigentümer dieser Wohnung haben sich direkt für Sie als neue Mieterin ausgesprochen." Die Eigentümer mag ich unbekannterweise so sehr, dass ich vor Freude und Aufregung direkt mal eine ganze Nacht nicht schlafen kann.

    Und so ist das jetzt: Ich zieh' um. Allein.

  • title-20197589

    Während die WG-Küche und mein WG-Zimmer an einem Wochenende renoviert wurden, nutzte ich meine Zeit dort um noch weitere Kartons zu packen. Sonntagabend stehe ich in dem Zimmer, welches letzten Sommer noch eine großartige Dachterrasse hatte, nachdem endlich mal die Gitter vor den Fenstern abmontiert wurden. Obwohl ich dieses Zimmer vor fast drei Jahren aus purer Verzweiflung nahm und dort nicht länger als nötig bleiben wollte, hatte ich eine sehr schöne Zeit in der WG.

    "Bist du dir wirklich sicher?" fragen mich Pauly und die albanische Königin als wir vor meinem Berg Kartons und dem zerlegten Kleiderschrank stehen. Die Zwei halten die ausgedruckten Bewerbungen für mein Zimmer in den Händen und wollen wissen, ob sie wirklich Casting-Termine vereinbaren sollen."Ja." hallt meine Stimme durch den sonst so leeren Raum mit schönen weißen Wänden.

    An diesem Sonntagabend bin ich fertig ohne Ende. Nicht nur die Renovierungsarbeiten von morgens bis abends an einem mir so heiligen Wochenende haben geschlaucht. Meine Haare haben seit der Kernsanierung meiner einen Zimmerwand eine äußerst merkwürdige Griffigkeit und all die Anstrengung war auch kein Knüller für meinen buckernden Weißheitszahn, der zu diesem Zeitpunkt schon seit einer Woche um Hilfe schreit. Noch dazu strahlt dieses Buckern bis in meinen Hals aus, weswegen ich mich an einem dauerhaften Fremdkörpergefühl dort erfreuen konnte. Es gibt unter diesen Umständen keinen besseren Grund sich Sonntagabend den Montagabend (und den damit einhergehenden Zahnarzttermin) herbeizusehnen. Aber erstmal muss ich den Montagmorgen meistern. Ich komm' nicht hoch, werde nicht wach. Die albanische Königin schreibt mir, dass es ihr genauso geht.

    Frau Dr. bestätigt meinen Verdacht und zaubert, dass es mir zwölf Stunden später schon sehr viel besser gehen wird. "Und dieses mal wirklich. Das Problem wird sich an diesem Zahn wiederholen. Wir reden seit fünf Jahren über Ihre Weisheitszähne, Frau Grau." Sie drückt mir eine Überweisung und mein Röntgenbild in die Hand.

    Wow... ich komm' echt nicht mehr drum rum?

    Der Grund, warum ich eigentlich einen Termin hatte, wurde als nichtig erklärt. "Mit diesem Makel, sobald sie Lächeln, müssen Sie jetzt leben." Der Haken ist nur, dass ich nicht mit abgebrochenem Zahnschmelz an einem meiner oberen Schneidezähne leben möchte.

    Darüber brauche ich mir nach dem Termin aber nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, denn die neueste Folge 'the walking dead' macht alles von diesem Tag unvergessen.

    "Ich möchte den Umzug nicht erst in zwei Wochen machen, nur weil ich erst in zwei Wochen raus sein muss." sage ich abends. "Okey..."

    Weil ich so gerne Interstellar sehen wollte, gebe ich mir auch dieses mehrstündige Paket und bin enttäuscht über diese verschwendete Lebenszeit.

    Die ganze Woche über gibt es irgendeinen Kleinkram zu organisieren.

    Freitagmorgen wache ich auf und mein Hals fühlt sich schon wieder ganz zu an. Man wird ja schon ein bisschen panisch, wenn man das Gefühl bekommt zu ersticken...

    Ich habe Urlaub an diesem Tag und bin viel früher wach, als sonst an einem Arbeitstag.

    Mit einem Strauß weißer Lilien betreten wir die sonnige Parkanlange und folgen den Schildern zur Kapelle am 'Garten der Frauen'. Als wir der Urne auf dem Weg zu ihrem Grab über den Friedhof folgen, ist es unerträglich kalt geworden. Das wirkt auf mich etwas gespenstisch. Als die Urne beigesetzt ist, drehen wir uns um und sehen den Grund für den Temperaturunterschied von gefühlten 20°, natürlich: Die Sonnenfinsternis. Wir erleben für wenige Sekunden den Höhepunkt des Naturschauspiels bis Wolken die letzte Energie der sichtbaren Sonnensichel zu verschlucken scheinen.

    Es ist erschreckend, wie schnell man wieder auf "Alltag" umschalten kann. Neben Einkauf und Wohnung aufräumen, steht auch noch der Umzug auf'm Plan.

    Freitagabend um 19 Uhr habe ich endlich, endlich meinen Kleiderschrank und all meine Sachen an dem Ort, an dem mein Herz schon lange hängt. Das Chaos ist unerträglich. Fast schon bin ich froh, als Pauly und die albanische Königin das public viewing in unserem Wohnzimmer absagen. Ich selbst bekomme vom Spiel nicht mehr viel mit. Weil ich auf der Couch einschlafe. Neben dem Wäscheberg im Wohnzimmer, der bestimmt in den kommenden Tagen irgendwo einen Platz in dieser Wohnung findet.

    Samstagmorgen bei Tageslicht fühle ich mich als würde ich in dieser Wohnung ersticken. Gott sei Dank ist der beste Mann da relativ entspannt... jedenfalls entspannter als ich. Joa... und seitdem wird geräumt, gewaschen, sortiert und verstaut. Ich glaube morgen Abend hat alles seinen Platz gefunden.

    Der WG-Hausmeister hat am Telefon noch den inga'schen Zorn zu spüren bekommen, als er damit drohte meinen Sperrmüll aus dem Hof zu entsorgen und der Wohngemeinschaft (!) dafür vom Vermieter eine saftige Rechnung zukommen zu lassen. Der beste Mann schaut mich mit überdimensional großen Augen an, als ich das Telefonat und damit auch meinen Tobsuchtsanfall beendet habe.

    "Auweia. Das ist mir jetzt aber peinlich." sage ich beschämt. Nachdem ich erzählt habe, was der sich alles abgekniffen hat, lacht der beste Mann nur und sagt mir, dass ich's gut gemacht habe. Zwei Minuten danach klingelt mein Handy. Der Hausmeister bietet mir eine faire Lösung an. "Der steht drauf, angeschrien zu werden oder hä?"

    Auch dieses Umzugsproblem, was ich Freitagabend noch erfolgreich ignorieren konnte, löst sich samstags quasi in Luft auf. Das war jetzt der achte Umzug in elf Jahren und mit viel Glück, schaff' ich in diesem Jahr auch noch den neunten. Freude.^^

    Und irgendwann, nach all dem Papierkram, den die WG und ich noch absprechen und erledigen müssen, werde ich mich ein bisschen vogelfrei fühlen. Den ersten Part erledigen wir schon heute Nachmittag. Aber bis dahin zelebriere ich "Sonntag" um mich schon auf das nächste, endlich mal wieder richtige Wochenende einzustimmen.

    Gesagt, getan.

  • title-20172300

    Als die albanische Königin neulich ein Bild von unserer -über Nacht- komplett verschimmelten Küchenwand in den Whatsapp-Chat der WG postete, wurde sofort eine Gesprächsrunde verreinbart. Von eben dieser Gesprächsrunde und der anschließenden wöchentlichen Putzparty kam ich ziemlich frustriert nach Hause. "Der Kostenfaktor und die Verpflichtungen mit dem angemieteten WG-Zimmer sind einfach sinnlos in Anbetracht der Tatsache, dass ich seit Beginn des Jahres lediglich ein einziges Mal in der WG geschlafen habe. Ich fühle mich dort einfach nicht mehr Zuhause. Das mag unter Anderem am individuellen Ordnungs- und Hygieneempfinden liegen... oder an dem Umstand, dass ich sowieso schon fast alles, was mir am Herzen liegt in die Wohnung des besten Mannes getragen habe.

    "Ey, und jetzt zahl' ich auch noch wieder die Renovierung der Küche mit. Das ist schon okay, aber als nächstes kommt der Geschirrspüler." - "Vielleicht sollten wir es doch so machen, wie ich es dir schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen habe: Du ziehst erstmal hier ein und wir suchen weiter nach einer größeren Wohnung für uns."

    So ganz wohl ist mir bei dem Gedanken nicht, auf unbestimmte Zeit mit dem besten Mann in seiner Ein-Zimmer-Butze zu leben. Obwohl sich nicht viel ändern würde (mal abgesehen vom monatlichen Ersparnis für die Übergangsphase), habe ich Bedenken bezüglich Privatsphäre und Platz für meinen Kram. Genau diese Bedenken spreche ich auch aus. "Lass uns noch bis zum Wochenende darüber schlafen und dann überlegen wir uns, ob wir uns outen."

    Freitagabend fällt die Entscheidung einstimmig aus. Trotz der Einigkeit über einen gewissen Respekt für diese Angelegenheit. Mit Kaffee und Kuchen verschaffen wir der albanischen Königin eine Schreibtischpause, bitten Pauly mit an den Küchentisch und verkünden meinen Auszug. "Wir haben uns schon ewig gefragt, wie lange du dein Zimmer noch behalten willst, obwohl du gar nicht mehr hier pennst." nickt die portugiesische Kartoffel und nimmt das letzte Stück seiner Banane komplett in den Mund. Die Anderen Zwei nicken. Ich hab' dem auch nichts mehr hinzuzufügen.

    Gina kommt erst später nach Hause, wird aber auch gleich informiert, als sie sich zu uns gesellt. "Ich möchte bis zum 1. April ausgezogen sein." An sich ist das für niemanden ein Problem, bis alle bemerken, dass sämtliche Verträge auf meinen Namen laufen. Alles muss neu arrangiert werden: WG-Konto, GEZ, Strom... und keiner hat Bock zukünftig den Schreibkram mit dem Vermieter zu übernehmen. Es wohnen ja alle gern zusammen und an sich sind wir auch ein gutes Team, aber gerade weil wir alle in diesem Jahr noch aus diesem Gammelloch ausziehen wollen, reißt sich jetzt keiner drum für irgendjemanden ein Ansprechpartner zu sein.

    Anders wird es aber nicht gehen, wenn das ganze Spiel sauber und vernünftig über die Bühne gehen soll. Keiner von uns hat vor, das Licht in diesem Laden auszumachen, also müssen wir die Bruchbude auf Vordermann bringen und uns Leute reinholen bis der Letzte von uns Vieren ausgezogen ist. Die Küche ist der erste Streich.

    Wie dem auch sei. Wenige Tage, nachdem ich meinen Auszug verkündet hatte, trug mir der beste Mann auch schon ein paar Umzugskartons in meine Hinterhof-Bleibe. Da ich zwecks Küchenrenovierung sowieso dauernd in die WG muss, komme ich auch recht schnell dazu, all meinen Kram zu packen.

    Es ist Samstagabend und statt als Paar zu entspannen, räumen wir mit unserem Lieblingspaar die WG Küche leer. "Nachher noch eine Runde siedlern, wenn wir hier durch sind? Seid ihr dabei?" Dann leidet das gesamte Küchenentrümpelungsteam unter echter Panik über Gestank und Farbe der Schimmelsporen hinter unseren Möbeln. Das Abkratzen der Tapete macht die Anderen fertig. Mich erschrecken eigentlich die vielen verschiedenen Schimmelstellen, die sich an der gesamten Außenwand niederschlagen.

    Und weil ein Samstagabend nicht reicht, geht der nächste Freitagabend dafür ebenfalls drauf. Für eine meiner Zimmerwände. Samstag wird tapeziert, Sonntag wird gestrichen und irgendwann so nebenbei packe ich weiter, lasse von meiner besseren Hälfte meinen Kleiderschrank zerlegen und dann habe ich zwei Wochen Zeit für einen Umzug, der vermutlich nur einen halben Tag dauert.

    Der überraschende Geldsegen ab April veranlasst mich dazu, mich zu Frau xyz nach Erlangen einzuladen.

    Eine Woche, nachdem ich super frustriert nach Hause gekommen bin, kehre ich mit erstem Kleinkram heim und habe bereits einige Kisten gepackt. Dennoch habe ich unterschätzt, wie viel noch in den Schränken steckt, obwohl ich kaum noch leere Umzugskartons zur Verfügung habe.

    Zur Schlafenszeit komme ich nach Hause und habe noch hunderttausend Dinge zu besprechen. Extrem müde, aber dennoch schlaflos liege ich viel zu lange wach während neben mir fleißig Zähne geknirscht werden. Mir hängt noch das Sechs-Augen-Gespräch mit Pauly und der Queen in den Knochen. Der beste Mann knackt vermutlich daran, dass nun doch mehr Kompromisse auf ihn zukommen, als er erwartet hätte.

    Ich glaub', dass ich mich in zwei Wochen beruhigt ummelden gehen kann, sofern ich jetzt nicht rumtrödel'.

    Whatever. Wenn dieser kleine Umzug über die Bühne gebracht ist, kommt die nächste Hürde: Eine neue, passendere Wohnung zu finden. Mit Balkon und Vollbad. Und genügend Zimmern für Gemeinsames und Einsames... und all die anderen Wonnen des Lebens. In Hamburg ein Klacks!

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    Es gibt Tage, die sind schon gelaufen, bevor man in den Spiegel geschaut hat. Bad-hairday und eine kleine Zickerei über liegen gebliebenen Haushalt runden den Morgen noch ab. Ich bin dankbar für den freien Nachmittag. Meine Wut würge ich Frau xyz ins Ohr während ich nach Flügen zu ihr schaue. Im richtigen Moment beschließen wir aufzulegen. In mir brodelt's, endlich mal wieder ein echter Grund zum Sport zu gehen.

    "Is' mir im Übrigen scheißegal, wann du den Eintrag fertig machst. Nur mach's endlich."

    Also gut. Dann halt halb fertig fertig.

  • title-20090336

    Als ich vergangene Woche las, dass im Rostocker Zoo ein Halbbruder vom damals gehypten, mittlerweile allerdings sehr toten Eisbären Knut geboren wurde, musste ich an meinen allerersten Freund namens Faker denken. Auch er war seinerzeit dem Anblick des kleinen tapsigen Bären verfallen, den man einfach nur knuddeln wollte. Ich nahm also etwas weltbewegendes wie die Geburt eines Eisbären zum Anlass, auch meine Welt mal ein bisschen zu bewegen.

    Da die Trennung damals alles andere als glimpflich und fair über die Bühne ging, habe ich Faker viele Jahre nichts Gutes gönnen können. Wie das nun mal so ist, wenn man keinen vernünftigen Schlussstrich zieht und sich lieber betrügt und belügt, bleibt nach einer langjährigen Beziehung nichts mehr außer negativer Gefühle.

    Da ich an dieser Stelle niemanden mit verjährten Details langweilen möchte nur so viel:

    Ich wurde für eine zarte, x-beinige Blondine mit Schielneigung verlassen- einen Monat nachdem Faker und ich in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung gezogen waren. Ich kam mir nach fast sieben Jahren Beziehung reichlich gedemütigt und verarscht vor. Jedoch mehr aus dem Grunde, dass wirklich jeder in unserem Bekanntenkreis schon seit einigen Monaten im Bilde war- außer mir. Obwohl ich doch in genau dieser heiklen Phase fragte, ob es wirklich ein Fakerziel wäre, mit mir eine Zukunft aufzubauen. Denn das Gefühl hatte ich zu jenem Zeitpunkt eben auch schon lange nicht mehr. „Na klar. Was denkst du denn? Ich liebe dich.“ waren seine Worte.

    Natürlich glaubte ich ihm. Weil ich es wollte.

    Wenige Wochen danach folgte die Trennung. Ohne Gespräch. Es war vorbei und es war schrecklich. Für mich.

    Das war’s. Bis ein bereits verstorbener Eisbär einen Halbbruder bekommt.

    Ich schrieb Faker bei Facebook und war überzeugt, in seiner Antwort Freude zwischen den Zeilen lesen zu können. Unsere ersten Nachrichten ganz zaghaft… ich erzähle meiner besseren Hälfte vom E-Mailverkehr, aber den interessiert das alles so gar nicht.

    „Ich würde mich gern mit Faker treffen, sofern seine Freundin das zulässt, weiß ja nicht wie die drauf ist.“ – „Was versprichst du dir davon?“ – „Ich weiß es nicht, ich habe bloß irgendwie das Bedürfnis diese Sache mal richtig zum Abschluss zu bringen.“

    Ich glaube, dass ich es einfach satt hatte, diesen Menschen als abgefucktes Arschloch und mich selbst als das Opfer zu sehen. Und damit gibt es dazu auch nichts mehr zu sagen. Außer, dass er und Blondi nur wenige Parallelstraßen von meiner WG entfernt wohnen und wir uns deswegen auch in unserer Hood treffen.

    Ich erschrecke mich, als jemand seine Hand auf meine linke Schulter legt- obwohl ich damit rechnen müsste während ich auf Faker warte. Fakers Stimme klingt vertraut aber auch seltsam weit weg für mich.

    „Hast du zugenommen?“ frage ich grinsend als wir auf unseren Tisch warten. Er sieht beschämt aus „Das kommt weil ich vor fünf Monaten aufgehört habe zu rauchen.

    Ich bin aufgeregt und nervös. Das ist ja bei mir immer so offensichtlich, dass ich es nicht wage dies unter den Teppich zu kehren. Ich zappel und zappel und sowohl Faker, als auch ich haben Angst, dass ich Kerzen oder Getränke mit meinen wild gestikulierenden Händen von unserem Tisch fege. Ich rede wirr und verwirre mich dabei auch noch selbst. So ist das, wenn man tausend Gedanken gleichzeitig hat.

    Und dann haben wir uns soooooo viel zu erzählen. Wer sein coming out, eine oder gar schon mehrer Hochzeiten und vielleicht sogar einen Entzug hatte und wie die Kinder von unseren ehemaligen Klassenkameraden aussehen… Natürlich tratschen wir nicht nur. Eigentlich ist das ganze Gespräch kein Tratsch, es ist ehrliches Interesse an den Interessen des Gegenübers und an dem Werdegang der Menschen, mit denen wir unsere Jugend verbracht haben.

    Ich fühle mich ganz und gar nicht so, als würde ich mit einem ehemaligen Partner reden. Eher, als würden wir uns bereits seit der Kindergartenzeit kennen.

    Dennoch reden wir auch über uns. Ich erkläre ihm, wie es sich damals für mich angefühlt hat als er einfach aus meinem Leben verschwunden ist. Es gibt viele Dinge für die wir uns entschuldigen. Beieinander. Dafür, dass ich ständig aus der Haut gefahren bin, bitte ich als erstes um Verzeihung. Er schüttelt lachend den Kopf.

    Aus seiner Antwort höre ich heraus, dass Blondi ähnliche Probleme hat wie ich. Halt nur irgendwie noch lauter und unbeherrschter. Faker sagt mir auch ganz direkt, dass die Zwei seiner Ansicht nach seit geraumer Zeit eher eine Zweckgemeinschaft bilden, als eine Beziehung zu führen. Ich bin tief getroffen, als ich höre, dass mein Gegenüber nicht glücklich ist. Ehrlich.

    Und doch verurteile ich ihn beschämender Weise ein wenig. Weil es mich daran erinnert, wie es mir vor sieben Jahren erging.

    „Weil wir uns schon so lange kennen, nehme ich mir jetzt die Dreistigkeit heraus, dir ungefragt zu sagen, was ich wirklich denke: Du bist eine feige Sau. Warst du damals bei mir und jetzt machst du es genauso mit Blondi.“

    „Ich weiß.“ Zack! Da tut mir Faker auch schon wieder leid. Ich versteh das schon irgendwie. Aber ich find’s halt nicht fair Blondi gegenüber.

    Folgende Worte hätte ich nie, nie, nie, niemals von Faker erwartet:

    „Ich wollte dir das eigentlich nicht erzählen, aber ich habe unsere Trennung damals tatsächlich recht schnell bereut.“

    Weil ich dachte, dass solche Aussagen nur in irgendwelchen quatschigen Frauenpower-Filmen vorkommen und nichts mit der Realität zu tun hätten, bemerke ich ein Gefühl der Genugtuung in mir aufsteigen und schäme mich sofort dafür. „Unsere Trennung war überfällig. Von den sieben Jahren, die wir uns als Paar betitelt haben, waren die letzten fünf pure Zeitverschwendung.“ Faker nickt. "Wir wussten es nicht besser und dachten, dass das so muss- wir zwei, egal unter welchen Umständen zusammen."

    Ich erinnere ihn dran, wie rabiat und rücksichtslos wir miteinander umgegangen sind. „Ich war so ein Arschloch. Oh, mein Gott… ich hab’ das all die Jahre verdrängt. Mich wundert es, dass du je wieder zu einem Mann Vertrauen fassen konntest, nachdem ich dich so ausgenutzt habe.“

    Ich bin überrascht, dass er sich wirklich als das Ekelpaket von uns beiden sieht. (Weil zu einer Beziehung ja nicht mindestens zwei Menschen gehören.^^)

    So schön der Abend auch ist, der Gedanke, dass mein Gegenüber vertuschen muss, dass er seine alte Banknachbarin aus der neunten Klasse getroffen hat, lässt mich nach der Rechnung für unsere Teeparty fragen. „Sie arbeitet heute Abend.“ – „Mein Freund aber nicht und ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mit meinem Exfreund versabbeln kann, ohne absurde Gedanken auszulösen.“

    Mal abgesehen davon ist das Gespräch ganz anders verlaufen, als ich erwartet hatte. So, dass ich noch vor dessen Beendigung bemerke, wie sehr es mich beschäftigen wird. Direkt im Anschluss liege die halbe Nacht wach und zergrüble Probleme, die nicht meine sind.

    Dabei ist es natürlich vermessen, seine eigenen Ansichten oder Einstellungen für goldrichtig zu halten. Ich bin nur irgendwie davon ausgegangen, dass Faker mit Blondi damals sein Glück gefunden hat und dachte, die Zwei hätten vielleicht sogar schon geheiratet oder so. Dementsprechend bin ich aus allen Wolken gefallen als Faker mir offenbarte, wie schlecht es zwischen den beiden läuft- seit acht Jahren.

    „Sie hasst meine Eltern, weil die dich nach unserer Trennung zu Kaffee und Kuchen eingeladen haben.“ Damit ist Blondi nicht allein. Ich habe seine Eltern auch gehasst, nachdem sie mich zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatten. Der Hass war unbegründet, wie sich gestern Abend rausstellte, als wir dieses Missverständnis aufklärten.

    Ich finde mich arrogant, als ich meiner besseren Hälfte von diesem Abend mit den abschließenden Worten. „Ich hab’ gewonnen.“ berichte. Dabei bin ich gar nicht arrogant, sondern einfach nur viel glücklicher, als der Mensch, von dem ich dachte, dass er glücklicher sei.

  • title-19895998

    Die Weihnachtsfeiertage und der damit einher gegangene Stress sind endlich vorüber und eigentlich könnte ich mal so richtig ausschlafen. Ich sollte entspannt sein. Der beste Mann und ich haben uns mit sinnvollen Liebenswürdigkeiten beschenkt, für die Familien Geschenke und Mitbringsel geplant und gemeinsam organisiert... und dann hab' ich mal Ferien bei Mutti gemacht.

    Ich habe einen liebreizenden Sorgenfresser kennengelernt, auf den ich nun etwas neidisch bin und mir über Silvester sowie die Pläne für's neue Jahr Gedanken gemacht. Ich habe die Wohnung aufgeräumt, den Wasserfleck an der Küchendecke beobachtet, mir Sorgen um den Schimmel in dem einen Badezimmer und dem anderen Schlafzimmer gemacht, Wäsche gewaschen und ich war gut zu mir. Dennoch habe ich die ganze Nacht kein Auge zugetan. Gegen zwei feierte ich eine aufgebesserte Urlaubskasse dank Pokerei meiner besseren Hälfte. Gegen vier begann ich das Internet zu durchforsten. Gegen fünf hatte ich zufrieden festgestellt, dass ich nächsten Monat den Flug nach L. A. buchen kann und war mit der halben Urlaubsplanung durch. Gegen sechs hatte ich dann auch die aktuellen Wohnungsangebote abgearbeitet und gegen sieben versuchte ich vergeblich nicht mehr nur allein wach zu sein. Gegen acht muss ich verraten, warum ich nicht schlafen kann.

    Gegen neun beschloss ich allein auf den Flohmarkt zu gehen. Um zehn war ich geschminkt und startklar.

    So schmucklos, wie ich Weihnachten in diesem Jahr empfand, so knallerbsenmäßig werde ich wohl auch den Jahreswechsel begehen. Mal wieder mit neuen Vorsätzen und guten Ideen im Gepäck. Ich sollte vielleicht mal beginnen, meine Ideen auch umzusetzen. JETZT.

    In diesem Sinne wünsche ich allerseits ein zauberhaftes und besinnliches Weihnachtsfest gehabt zu haben und wünsche einen Guten Rutsch!

    AUFI GEHT'S!

  • title-19788301

    Wer die Zigaretten hinter sich lässt, gewinnt.

    Ich gewann 5 Kilo.

    Ende Oktober habe ich beschlossen endlich Nichtraucher zu werden. Seitdem habe ich durchgehalten. Und wieder aufgegeben. Alles mehrfach. Jede Zigarette die ich glaubte rauchen zu wollen, hat mir weder ein Gefühl von Erleichterung verschafft, noch hat sie geschmeckt.

    Einzig und allein die Zigaretten mit Frau xyz in der WG-Küche waren gemütlich.

    Wie dem auch sei. Das Thema ist irgendwie durch. Der Ekel wächst stätig. Besonders in Bezug auf Gestank.

    So einfach kann das sein. Kein Ding draus machen. Einfach nicht mehr rauchen. Und diese unterstützende Hypnose hören.

    Seit mein Partner nachgezogen hat, denke ich noch seltener, dass ich gern eine rauchen möchte.

    Nicht zu rauchen und daran immer weniger zu finden, sollte mich mit Stolz erfüllen. Allerdings frage ich mich jetzt eher, warum ich mit diesem Scheiß überhaupt je angefangen habe...

    ... der Herbst hat zugeschlagen und ich bin in ihm hängen geblieben. Mich erreicht so gar keine Weihnachtsstimmung. Und auch sonst friere ich einfach nur und bin müde. Irgendwas erkältungsmäßiges hockt mir seit Samstag im Nacken aber überfällt mich nicht so richtig. Die Weisheitszähne buckern fleißig und sorgen für Kopfschmerzen. Wenn ich daran denke, wie Vollgestopft die Kaufhäuser sind, vergeht mir alles. Wie kann man sich bei so viel Reizüberflutung und Tohuwabohu noch auf diesen einen Tag freuen, der doch angeblich besinnlich verbracht wird? Dieses Jahr ist mir das schleierhaft. Ich fühl mich grinchig. Hoffentlich stimmt mich die geplante Backaktion mit der besseren Hälfte noch auf Weihnachten um. Die schönen Adventskalender, die ich seit Montag geschenkt bekam, haben's leider nicht geschafft.

    Es geht doch nun wirklich nicht, dass ich den letzten Monat dieses Jahres müde und frierend im Bett verbringe. Was tut man gegen Schläfrigkeit und permanent kalte Gliedmaßen?

  • title-19704601

    Bockt hart, wenn Einträge nach 4,5 Stunden Getippe einfach mal weg sind weil das Internet abkackt.

    Ich bin ein Gänseblümchen.

  • title-19563968

    Ich hab' schon wieder ein Stückchen meines Herzens an ein Fleckchen dieser Erde verschenkt.

    Großartig, in einem Bed and Breakfast auf dem Wasser zu nächtigen. Cool, abends im Bett zu liegen und die '???' zu hören. Witzig, wie da jemand jeden Morgen das Badezimmer mit dem Duschabzieher von Wasser befreien muss weil er es geflutet hat. Lustig finde ich das natürlich nur, weil ich nicht dieser jemand war.

    ---

    Da wir schon mittags in Amsterdam waren und auch recht schnell unsere Kajüte bezogen hatten, lag es nahe direkt mal das Festland zu erkunden. "Hach, ist das hier schön." hört man von mir an ungefähr jeder Ecke, um die wir biegen. Und wir biegen um verdammt viele Ecken, was sich rausstellt während ich auf die Idee komme unser Geld zu verpulvern, als ob mich die leckersten Süßigkeiten tatsächlich Gold pupsen lassen würden. Hoffentlich lach' ich irgendwann drüber, dass ich gerade 8 Euro für einen Liter Apfelsaft und eine große Flasche Wasser verschleudert hab'. "Weißt du noch damals in Amsterdam, als du ernsthaft 8 Euro für eine Apfelschorle ausgegeben hast?" grinst der beste Mann.

    "Weißt du noch damals, in Amsterdam..." sagen wir fortan immer, wenn irgendeiner unserer vielen Pläne nicht aufgeht. War ja nicht der einzige Moment, in dem wir aufgrund von Unwissenheit Fuffis durch den Club ÄHH... Amsterdam geschmissen haben.

    Der Vondelpark war zwar nicht mein Plan des Tages, aber ich stelle schnell fest, dass sich der Besuch lohnt. Es ist also okay, über Tagesziele weit hinauszuschießen. Der Abend endet um halb zehn mit Gejammere über schmerzende Füße im Bett links, mit genüsslichem Niederlegen der Glieder im rechten Bett und den '???' auf dem Tisch in der Mitte.

    Am zweiten Tag finde ich Amsterdam noch schöner. "Ich weiß ja nicht, ob du's heute schon gehört hast... Es ist so schön hier!" Eine Stärkung im Café de twee Zwaantjes nach einem Endlosmarsch durch den Jordaan und einer Fotosession vor verdächtig wirkenden Brennnesseln. Türkisfarbenen Käse mit Lavendel im Laden des Käsemuseums probieren. Einen Cocktail im wahrscheinlich hübschesten Szeneladen der Stadt genießen. <3

    "Mir fehlt es, dich zu sehen, wenn wir reden. Das ist doch bescheuert mit diesem Tisch hier in der Mitte."

    Samstag ist alles am schönsten. Amsterdam vom Wasser aus. <3 "Lass mich raten! Du findest es sehr schön hier." Pannekoeken <3 Riesenrad <3 In der Altstadt reiht sich ein Süßigkeitenladen an den nächsten. Und dabei sieht alles so toll, bunt, gemütlich und niedlich aus! Ich glaube, ich kann den Herbst doch lieben lernen. Das habe ich dort gemerkt.

    "Jetzt hatten wir schon wieder so einen großartigen Sommer." höre ich mich sagen während wir noch mal von der Sonne geküsst werden. "Hattest du daran gezweifelt?" schmunzelt dieser Lieblingsmensch und küsst meine Stirn.

    "Ich dachte gestern Abend, du tötest mich, wenn ich das jetzt sage." - "Mh? Warum?" - "Cheesy, halt... in der Situation." Ich glaube es gibt schlimmere Macken, als deine Vorliebe für Klischeekitsch!

    Kurz darauf sitzen wir im Zug und scrabbeln. "Ich hab' zu wenig Fotos gemacht." aber ich bereu' es nicht. "Du?! Ich zieh' ab morgen wieder in die WG zurück, ne?!" - "Warum? Weil wir beide viel zu erledigen haben." - "Ja, zum Lernen ist es schon besser." Gut, dass wir uns verstehen.

    Den Plan hat der Herr zwar 24 Stunden später schon wieder vergessen. Aber mit meinen Geschenkpaket voller Bronchitis, welches ich ihm während unseres Urlaubs und irgendwie auch schon davor überreicht habe...

  • Komm, wir fahren nach Amsterdam!

    Wer sitzt gerade im Zug und ist auf dem Weg?! :>>

  • title-19451295

    Eigentlich wollte ich noch die letzten Erinnerungsfetzen aus meinem Urlaub festhalten, aber ich stelle fest... meine Erfahrungen beim Yoga und was das mit meinem Hirn gemacht hat, sind zu intim und klingen zu weird um sie in die Welt hinauszuposaunen. Da bleibt dann nur der Rest.^^

    Aber es gibt ja auch Impressionen, die vielleicht jeder für sich selbst kennen und auch lieben lernen könnte.

    Ich gestehe, dass ich die meiste Zeit in meinem Urlaub mit Chill'n verbracht hab'. Wie sich das gehört. Die ersten drei Tage habe ich quasi durchgeschlafen. Meinem Schlaf konnten weder Anrufe noch der Versuch meine Zimmertür von Außen zu öffnen etwas anhaben. Jedenfalls am Abend. Morgens bin ich einmal mit der Sonne aufgewacht. Ich habe ihr entgegen geblinzelt und diese Farbpracht hinter den Hügeln voller Palmen so unendlich genossen. Dabei schön aufgerichtet und in den Bauch geatmet.

    In neuer Lieblingsschlonzhose bin ich meist mit O-Saft und Frühstück auf die Terrasse geschlurft. Habe mich in die Sonne gesetzt und so richtig gelebt. Ich musste nie sonderlich lange auf die albanische Königin warten. Und wenn doch, habe ich mich immer wunderprächtig mit allen Gästen und Angestellten des Hostels unterhalten. Das junge französische Ehepaar und ich hatten viel Spaß. :)) Der schwule Italiener und sein befreundetes Paar haben für mich 'Oasis' auf der Gitarre gespielt und gesungen. Die albanische Königin erzählt der portugiesischen Kartoffel, dass ich seinem Hostel gute Bewertungen bescheren werde, so wie ich alle Gäste um meinen kleinen Finger wickel'.

    "Endlich bist du wieder die alte Inga." höre ich von der Frau, mit der ich seit einem Jahr sehr viel Zeit teile.

    Die Nachmittage haben wir immer am Strand verbracht. Nicht so oft, wie geplant mit Surfbrett. Aber eben doch das eine oder andere Mal. Es gab Tage an denen ich unglaublich motiviert bei der Sache war. Nicht zuletzt, weil ich mich gar nicht mal so dumm anstellte und ziemlich schnell Blut geleckt hatte, als es einigermaßen lief. Die Geschwindigkeit unter mir zu spüren, war schon recht beeindruckend. Wenn auch nur immer sehr kurz. Mit tierischem Muskelkater und etlichen blauen Flecken an meinem Körper wachte ich am nächsten Morgen wieder auf. Das hatte sich gelohnt.

    Es gab auch Tage an denen war ich eigentlich schon vollkommen am Ende, als ich mich in den Wetsuit gequält hatte. Mit Brett im Griff rannte ich gegen Wände aus Wellen und diese rissen mich eher zurück zum Strand, als auf's Board.

    An jenem Tag diente das Surfboard mehr des Posings, als des Surfens. Wenn ich schon scheitere, kann ich dabei ja wenigstens eine gute Figur machen. dachte ich mir.

    Ich würde aber behaupten, dass ich die schönste Zeit hatte, wenn ich Muscheln und Steine sammeln gegangen bin. Immer wieder mal habe ich genauer hingesehen und so viel Schönes entdeckt. Wobei meine Begeisterungsfähigkeit für so ziemlich alles dort gereicht hat. Aber es ist wirklich beruhigend, wenn man sich mal Zeit nimmt die Natur und das Leben darin zu betrachten. Ich habe durchgeatmet. Immer in den Bauch. Bei aufrechter Körperhaltung. Wie ich es beim Yoga gelernt habe. Neun Tage. Es hat nicht gereicht. Ich bin traurig, als wir den Strand am letzten Abend verlassen. Obwohl ich mich doch auf mein Zuhause freue.

    Ich hatte das Gefühl, nicht ausreichend gesehen zu haben, obwohl mich unser Ausflug zur Mittelalterburg ein paar Orte weiter schon sehr sprachlos gemacht hat. Sprachlos war ich, weil das alte Gemäuer zwischen Palmen und Olivenbäumen im Sonnenuntergang so herrlich geleuchtet hat. Lissabon musste ich sausen lassen um noch mehr am Strand zu sein. Um zu lesen, zu laufen oder um in die Wellen des Atlantiks zu hüpfen.

    Jetzt weiß ich, wie Urlaub sich zu kurz anfühlen kann. Meine Akkus sind vielleicht bis zu 35 % aufgeladen. Ansonsten bin ich jetzt leider wieder recht schnell die Alte geworden. Natürlich schaue ich 'Breaking Bad' nun mit Originalton noch mal. Mein Überschwang von Kreativität reißt nicht ab. Allerdings habe ich viel zu viele Ideen für zu wenig freie Zeit. Es bleibt nicht die Möglichkeit, mich auszuleben. Weil ich tendenziell nur vereinzelte Tage in der WG bin und wohl kaum mein halbes Hobbyzimmer in die kleine Wohnung meines Partners schleppen kann. Und in der WG wohnen und begegnen einem immer so viele nette Menschen... Schwups ist nach dem Feierabend und einigen Gesprächen auch schon wieder Schlafenszeit.

    Meine Hood hat sich verlagert. Unbeabsichtigt. Aber ich habe das mit sehr viel Freude gefeiert. Good old Barmbek. dachte ich, als ich Samstag das Abendbrot beim Gemüsehändler in der Fuhle kaufte und mich nicht an eine Supermarktschlange stellen musste.

    Nun denn. Ich dachte, dass ich mal wieder etwas aktiver werden würde, aber ich trödel und trottele immer noch die ganze Zeit so vor mich hin. Ich weiß, was ich alles möchte, könnte, sollte und müsste. Nur fehlt mir die Energie dazu.

    Obwohl ich irgendwie schon nach den nächsten Flügen schau' weil mein Hintern viel zu voll mit Hummeln ist, bin ich überwiegend froh, wieder viel in Barmbek zu sein. Mit dem besten Mann ist halt alles schön. Selbst matschiger Pflaumenkuchen, der wesentlich besser schmeckt, als er aussieht. Die albanische Königin zwischen uns auf der Couch, während wir gespannt ihrem Problem mit der portugiesischen Kartoffel lauschen. 'Skip-Bo' mit seiner Oma, die uns quasi nur abzieht. Stullen schmieren und Sonntagabendzockerei versus Nagellackparty in Monsieurs Wohn- und Schlafgemach.

    Neues gibt es nicht wirklich. Nur der Eindruck, den ich wenige Tage nach meiner Heimkehr aus Portugal von mir selbst gewinne ist mir unbekannt. Beim Durchschauen der Urlaubsbilder seh' ich mir noch mal genauer an, wie ich mit Surfboard im Arm wirke. Das bin ich?! Ernsthaftig war es gut, dass ich mich mal so wahrnehme. Im Bikini. Schon irgendwie recht nice. Uneigentlich bin ich immer wieder ein bisschen fassungslos, wenn ich diese Fotos betrachte.

    Darauf gönn' ich mir eine ordentliche Portion Narzissmus und starte in eine neue Woche.

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